Berührende Doku über drei in Westeuropa arbeitende Moldawierinnen, die ihre Kinder in der Heimat zurücklassen mussten
In Moldawien als einem der ärmsten Länder Europas ist es für die meisten Männer kaum möglich, mit ihrer Arbeit (falls sie eine haben) eine Familie zu ernähren. Die einzige Chance besteht darin, dass Frauen irgendwo in Westeuropa meist für Hungerlöhne als Putzfrauen oder Pflegerinnen Arbeiten verrichten, die sonst niemand machen will. Allerdings zahlen sie für ihren Status als Illegale einen hohen Preis. Die Schlepper verlangen Unsummen und Wucherzinsen, die erst nach Jahren abbezahlt werden können, und vor allem sehen sie ihre Kinder und Ehemänner meist etliche Jahre nicht, weil jede neue Aus- und Einreise das Risiko erhöht, nicht mehr nach Westeuropa zurückkehren zu können. Wer behauptet, dass diese Mütter ihre Kinder leichtfertig zurücklassen, um in Österreich oder Italien in Saus und Braus zu leben, sollte gezwungen werden, sich diese Langzeitbeobachtung der starken Frauen Aurica, Raia und Natasa anzuschauen.
Jedes Gespräch mit ihren Kindern, sei es am Telefon oder über eine Webcam, ist eine Qual für alle Beteiligten und endet in enttäuschten Hoffnungen: Den Müttern ist ihr schlechtes Gewissen deutlich anzuhören und die Kinder wissen nicht, was sie sagen sollen. Auch wenn man selber keine Kinder hat, ist es wohl nicht schwierig, sich vorzustellen, was es bedeutet, wenn die eigene Mutter ihren Koffer packt und für mehrere Jahre einfach verschwunden bleibt.
Ganze Schulklassen bestehen im ländlichen Moldawien aus solchen Halbwaisen auf Zeit, die bei ihren oft überforderten Vätern oder Großeltern aufwachsen. Die Kamera ist immer ganz nahe, um in beiläufigen Bildern das Ausmaß der Armut anhand von Alltagsbeobachtungen wie dem katastrophalen Zustand der Straßen und der Häuser aufzuzeichnen oder auch die Wiedersehensfreude festzuhalten, wenn die Frauen dann doch ihre Heimat und ihre Angehörigen wieder besuchen können. Regisseur Ed Moschitz (Am Schauplatz) hält in seinem ersten Kinodokumentarfilm auch bei Szenen der Entfremdung fest, wenn die Zurückgekehrten ihre Männer demütigen, indem sie ihre Unzufriedenheit mit dem Zustand des renovierten Hauses lautstark kundtun. Schließlich sind sie eine andere Lebensqualität gewohnt, auch wenn sie in ihrem Arbeitsland nicht davon profitieren. Das ist das wahrhaft Herzzerreißende an diesem wichtigen Film: Alle vorgestellten Menschen wollen das Beste und erreichen doch nur das Schlechteste für alle Beteiligten. Schuld daran ist vor allem die Politik der westeuropäischen Staaten, die von der Gesellschaft benötigte Arbeitskräfte in die Illegalität und damit zur Aufgabe ihrer Familie zwingen.
