Porträt der Polit-Ikone
Der Name Nelson Mandela ist jedem ein Begriff, über die Jugend und Sozialisation des charismatischen Friedensnobelpreisträgers – also vor allem über die Zeit vor seiner jahrzehntelangen Inhaftierung auf der Gefängnisinsel Robben Island – weiß man möglicherweise weniger. Dieses flott in Szene gesetzte Biopic beleuchtet in chronologischer Folge Schlüsselszenen aus der Vita des 1918 in der Transkei geborenen Freiheitskämpfers bis zu seiner Amteinführung als erster demokratischer Präsident Südafrikas. 1944 tritt der lebenslustige, studierte Jurist nach anfänglichem Zögern dem Afrikanischen Nationalkongress
(ANC) bei und führt die von Mahatma Gandhi inspirierte gewaltlose Widerstandskampagne des ANC gegen die diskriminierende Apartheid-Politik der Regierung an. Das Massaker am 21. März 1960 im Township Sharpeville, bei dem 69 Demonstranten, darunter Frauen und Kinder, von Polizisten erschossen und hunderte verwundet wurden, führt zur Radikalisierung Mandelas, der zuvor in zweiter Ehe Winnie Madikizela geheiratet hatte. Als Anführer des bewaffneten Flügels des ANC unterstützte er Sabotage-Aktionen und Bombenanschläge – möglichst ohne dabei Menschenleben zu gefährden – bis zur Festnahme und dem Beginn einer über 27 Jahre währenden Gefangenschaft.
Mandela trägt wenig zum Verständnis der jeweiligen historischen oder sozialen Lage in Südafrika bei, politische Hintergründe bleiben im Dunkeln. Regisseur Chadwick fühlt sich nach eigener Aussage dem Unterhaltungskino verpflichtet, er will das Publikum emotional ansprechen und betont die „human touch“-Aspekte der Geschichte, die sich im Kern um die tragisch endende Liebesgeschichte von Nelson und Winnie dreht. Gefängnisfolter und Gewaltexzesse in den Townships werden dabei nur angedeutet. Wie Luc Bessons in mehrerlei Hinsicht vergleichbares Filmporträt der burmesischen Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi (The Lady) konzentriert sich Chadwick auf das Familiendrama. Die Hauptrollen werden routiniert von zwei Londonern gespielt: Idris Elba trat bereits im Monster-Movie Pacific Rim souverän als Kommandeur einer Kampftruppe auf; Naomie Harris bringt ohne übertriebene Theatralik widersprüchliche Charakterzüge einer schwer durchschaubaren Persönlichkeit zum Ausdruck: Eine liebende, leidende Frau und Mutter, die sich zur rachsüchtigen, Gewalt säenden Aktivistin wandelt.
