Intime Momente mit der Kamera
Sie ist 28 und bereits Mutter, dennoch würde ihr man gut und gern ein Alter von 20 zugestehen. Dieser Umstand nervt Maresi Riegner zwar manchmal, andererseits „ist es natürlich gut, wenn man jung spielen kann.“ Die Mutterschaft habe sie zudem reifen lassen: „Letztens hatte ich ein Casting, bei dem ich eine Mutter von zwei Kindern gespielt habe – da hat es mir schon geholfen, dass ich weiß, welche Liebe man zum eigenen Kind fühlt.“
Als sie selbst ein Kind war, war Schauspielerin kein Beruf für sie, eher noch Architektin oder Ärztin. Doch Riegner sah sich sehr viele Filme an, lernte die Texte auswendig und spielte ganze Szenen nach. Das erste Publikum waren Familie und Freunde. Mittlerweile ist sie außerordentlich gut im Geschäft: So kann man sie aktuell am Burgtheater in der Shakespeare-Paraphrase „This is Venice“ sowie am Kasino im Familienstück „Wie versteckt man einen Elefanten“ sehen. Weiters absolviert Riegner heuer noch einige Drehtage für Philipp Stölzls Zweig-Adaption Die Schachnovelle, und im Fernsehen werden 2020 unter anderem der Altausseer-Krimi Letzter Kirtag (R: Julian Pölsler) oder das ZDF-Fernsehspiel Irgendwann ist auch mal gut (R: Christian Werner) ausgestrahlt. Für letzteren Film – eine schwarze Satire zum Thema selbstbestimmtes Sterben – erhielt Riegner im Jänner den Max-Ophüls-Preis in der Kategorie Bester Schauspielnachwuchs. Jurybegründung: „Wie sie im satirischen Kontext ihre Natürlichkeit bewahrt, macht uns neugierig darauf, sie auch in anderen Genres brillieren zu sehen.“
Auch sonst herrscht an Nominierungen und Preisen kein Mangel, 2018 wurde Riegner etwa beim Österreichischen Filmpreis als Beste Nebendarstellerin für das historische Drama Licht (R: Barbara Albert) ausgezeichnet. Preise sieht die Schauspielerin einerseits als große Ehre, andererseits würden diese auch Druck erzeugen, ein gewisses Niveau halten zu müssen.
Als ihre bislang größte Herausforderung bezeichnet sie die Rolle der Hedwig Ekdal in Ibsens „Wildente“: „Die Arbeit mit Mateja Koleznik war wundervoll und sehr fordernd, ich habe viel gelernt. Es war meine erste Sprechrolle am Theater, noch während des Studiums. Als Mateja und ich uns zum Kennenlernen getroffen haben, meinte sie, Hedwig sei so verrückt wie eine Tochter von David Bowie und Björk.“
Riegner schätzt die Abwechslung zwischen Film und Theater, „aber da ich beim Drehen mehr Erfahrung habe, fühle ich mich dort sicherer. Ich genieße diese intimen Momente mit der Kamera, weil man hier sehr fein arbeiten kann. Ich bekomme schneller ein Gefühl für das Auge hinter einer Linse als für 1000 Augen in einem Publikum.“
Freude an ihrem Beruf macht ihr, die Arbeitsweisen verschiedener Filmschaffender kennenzulernen und sich „Schritt für Schritt immer mehr in eine Rolle hineinzuarbeiten.“ Für die Zukunft des Schauspielberufs wünscht sich Riegner, deren Wunschrolle keine Geringere als die der Cleopatra ist, „dass man Wertschätzung und Respekt untereinander nicht allein an Erfolg knüpft.“
