Online-Sexarbeit und Mutterglück
Margo (Elle Fanning) hat Talent: Sie kann gut schreiben. Gut verkaufen kann sie sich zunächst nicht. Als ihr Englisch-Professor ihr Avancen macht, lässt sie sich auf eine Affäre ein, wird schwanger und bricht das College ab. Doch kaum ist der Sohn geboren, bekommt sie die Konsequenzen zu spüren: Erst verliert sie ihren Job als Kellnerin, parallel dazu ziehen zwei ihrer Mitbewohnerinnen aus. Plötzlich steht die alleinerziehende Mutter vor Geldproblemen. Sämtliche Versuche, eine neue Anstellung zu finden, scheitern.
Ihre Mutter hat sie gewarnt. Auch Shayanne (Michelle Pfeiffer) war viel zu jung und naiv, als sie mit Margo schwanger wurde. Jinx (Nick Offerman), ein Profi-Wrestler, hatte der Hooters-Bedienung damals den Kopf verdreht. Es war Liebe, aber mit ihrer Tochter musste sie sich trotzdem allein durchschlagen. Keine leichte Aufgabe. Umso gereizter ist die Stimmung zwischen den beiden, als Shayanne von der „Tragödie“ erfährt.
Es ist diese verquere Dynamik zwischen Mutter und Tochter, die David E. Kelleys Serien-Adaption sofort in Schwung bringt und immer wieder Aufwind verschafft. Bereits in der ersten Episode sprühen die Funken zwischen Michelle Pfeiffer und Elle Fanning, beide vertrauen auf ihr komödiantisches Potenzial, und das mit sichtlichem Erfolg. Zwei so impulsive Charaktere wie Margo und Shayanne bedienen stets die komplette Gefühlsklaviatur. Und schon Rufi Thorpe hatte in ihrer Romanvorlage eindrücklich die Kehrseite des Mutterdaseins vermittelt: die Panik, die Verzweiflung, die harte Realität.
Aber eben nicht nur das: Online-Sexarbeit, soziale Ungleichheit, Sorgerechtsstreitigkeiten, Drogenmissbrauch, all das sind wichtige, ernste Themen in Margo’s Got Money Troubles – und das Rezept, so überladen es klingt, geht trotzdem auf. Zum einen, weil die Serie geschickt mit der metafiktionalen Verspieltheit der Vorlage umzugehen weiß. Zum anderen, weil hier ein Ensemble am Werk ist, in dem bis in die Nebenrollen jeder seinen Part beherrscht.
Pfeiffers emotionales Wechselspiel überzeugt. So intensiv hat man sie lange nicht gesehen. Während die heute 67-Jährige parallel in Taylor Sheridans sechsteiliger Paramount+-Serie The Madison an der Seite von Kurt Russell ihre romantische Seite zeigt, gelingt es ihr hier, komplexe Gefühle auch ohne Worte oder sentimentale Klischees zu vermitteln. Oft sind es unscheinbare Blicke und Gesten, die Shayannes Wut, ihr Glück sowie ihre große Unsicherheit als Mutter und gegenüber ihrem neugeborenen Enkel zeigen.
