Filmstart

Maria by Callas

| Alexandra Seitz |
Respektvolle Verneigung vor einer der größten Belcanto-Sängerinnen

Sie war die Primadonna assoluta, „die Tigerin“ mit der wilden Stimme; einer Stimme, die Respekt gebot, auch jenen, die sie hässlich fanden, weil ihr nichts Liebliches und nichts Reizendes anhaftete. Vielmehr kannte die, die mit dieser Stimme sang, in ihrem Ausdruck keine Kompromisse; sie gab immer alles bis sie sich schließlich ruinierte, sodass ein Gutteil der Legende und der Tragik der grandiosen Belcanto-Sopranistin Maria Callas in der Erinnerung an die atemberaubende Gloriosität ihrer Stimme liegt, die zu ihren Lebzeiten bereits vergangen war.

Schmeicheln freilich konnte diese Stimme durchaus, doch nie war es das Schmeicheln einer Liebreizenden, das einem dann ins Ohr träufelte, es war vielmehr das einer Wahnsinnigen, Blindwütigen, Leidenschaftlichen, die einem die Sinne raubte und der zum Opfer fiel, wer nicht auf der Hut war. Die öffentliche, die Bühnenpersona der Callas wirkte wiederum zurück auf den Boulevard, auf dem jeder ihrer Schritte beobachtet und kommentiert wurde. Sie galt als der Inbegriff einer temperamentvollen, kapriziösen Diva und als „schwierig“, dabei war sie halt ein Profi: Sie stellte hohe Ansprüche an sich und ihr Arbeitsbedingungen. Aber sie war eben auch eine glamourös wirkende Frau, die sich im Jetset bewegte und deren semi-skandalöses Treiben im Fokus der Aufmerksamkeit stand.

Ohne viel Mühe also lässt sich in jener Maria Callas, die Tom Volf in Maria by Callas aus Selbstzeugnissen kompiliert, eine der ersten Leidtragenden des Celebrity-Kultes erkennen. Der Fotograf, Schauspieler und Filmemacher Volf hätte es sich einfach machen und eine weitere konventionelle Doku verfertigen können, in der zahllose Talking Heads von Rang und Namen musikhistorische Einschätzungen sowie biografische Anekdoten zum Besten geben, während Archivaufnahmen dazu das illustrative Hintergrundrauschen bilden. Man kennt das Verfahren zur Genüge und es hat aufgrund seines Informationscharakters ja auch seine Berechtigung.

Maria by Callas aber verfährt insofern anders, als Tom Volf kaum einmal historiografische Einordnungen vermittels Voice-over oder Inserts anbietet. Er lässt die Callas sprechen und singen, zeigt sie auf und jenseits der Bühne – und wer über sie und ihre Bedeutung und die kultische Verehrung, die sie genießt, nichts weiß, der weiß hinterher immerhin, dass sie selbst dann noch wunderbar anrührend singen konnte, als ihre Stimme keine drei Oktaven mehr umfasste, und dass sie eine ziemlich große Nase hatte. Und mehr muss man eigentlich auch gar nicht wissen.