Sofia Coppola ignoriert die Etikette des Hofes von Versailles und inszeniert ein poppiges Drama um zwei einsame Königskinder.
Sofia Coppola ignoriert die Etikette des Hofes von Versailles und inszeniert ein poppiges Drama um zwei einsame Königskinder.
Marie Antoinette war 14, als sie 1769 von ihrer österreichischen Kindheit Abschied nehmen musste, um – ganz sich selbst überlassen – als Madame la Dauphine ihrem Versprochenen, dem zukünftigen Louis XVI, und ihrem französischen Schicksal entgegenzutreten. Maria Theresia meinte einen klugen Schachzug zu tun, ihr liebstes Kind in eine friedensträchtige europäische Allianz zu investieren. Doch besaßen weder der eigenbrötlerische Bourbone noch die quirlige Habsburgerin einen Funken Ehrgeiz, die Geschicke eines Landes, in dem es bereits brodelte, entschlossen in die Hand zu nehmen. Noch als Teenager besteigen die beiden Königskinder im scheinbaren Schutz einer pompösen Hofetikette den Thron, der dem Sturm der Französischen Revolution nicht lange standhält. Marie Antoinette, von ihren Liebsten in Wien völlig abgeschnitten, von ihrem Ehemann sieben erste Ehejahre unberührt, kinderlos und darob von der Mutter ständig ermahnt und vom Versailler Hof verhöhnt, betäubt ihren Lebens- und Liebeshunger in einem Rausch der Vergnügungen und Frivolitäten: Schuhe, Schmuck und schickes Schneiderwerk, Spaß und Spiel bis ins Morgengrauen regieren den leeren Alltag einer jungen Frau, die dem Gewicht ihrer Position und der Einsamkeit ihrer Mission nicht gewachsen war.
Sofia Coppola hat ihren dritten Spielfilm wieder einer Heranwachsenden ohne Halt gewidmet, drehte dabei an den Original-Schauplätzen in Versailles ihren bisher aufwändigsten Film und versucht mit Verve und Nonchalance, zwei Kinder an der Macht zu porträtieren, die – zu unreif und zu mittelmäßig – an der Bürde ihres Standes scheitern. Sie wirft einen jungen Blick in alte Zeiten, beschallt die Marmorhallen mit Pop aus den 80er Jahren, streut ein paar Turnschuhe in Marie Antoinettes maßloses Sortiment an bestickten Seidenpumps und taucht die Salons der Königin, wo sich die Tische biegen und der Champagner fließt, in üppige Bonbonfarben. Der Versuch Coppolas, die gängigen historischen Bilder und das strikte Regelwerk am Hof zu ironisieren, gelingt über weite Strecken ebenso wie die jugendliche Unbeschwertheit dieser Jeunesse dorée spürbar zu machen. Dann und wann jedoch kippt die Ironie in ungewollte Karikatur, scheint die von Clips und Werbespots geprägte Bildersprache mehr den Wunsch zu bedienen, eine historische Figur grell und frech in ein zeitgeistiges Licht zu rücken, als näher an der Tragödie eines Mädchens aus zu gutem Hause zu bleiben.
