Aufschlussreiches und rundum gelungenes Porträt der großen Forscherin.
Zu Beginn sieht man sie ein Reagenzglas schwenken, den Inhalt prüfen, Notizen machen. Konzentriert wird wissenschaftliche Arbeit verrichtet. Dann setzen die Wehen ein und Marie Curie bekommt ihr zweites Kind, erneut ein Mädchen. Dass das fast gleichzeitig geschieht, ist nicht unwesentlich, etabliert Marie Noëlle doch auf diese Weise die Titelheldin ihres Biopics unmissverständlich als Forscherin UND als Frau. Die Handlung von Marie Curie setzt im Dezember 1904 ein, Marie Sklodowska Curie, 1867 in Warschau geboren und 1934 in ihrer Wahlheimat Frankreich verstorben, ist 37. Im Jahr zuvor war sie als erste Frau überhaupt – gemeinsam mit ihrem Ehemann und Forschungskollegen Pierre Curie sowie Henri Antoine Becquerel – mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet worden. Auch Maries Beziehung zu Pierre, der 1906 tödlich verunglückt, zeigt Noëlle von Beginn an als von sexueller Freude aneinander wie gemeinsamem wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse gleichermaßen geprägt. Noëlle muss sich und uns also gar nicht erst langwierig beweisen, dass scharfer Verstand und heißer Feger in Personalunion möglich sind. Sie nimmt diesbezüglich kurzerhand eine Setzung vor – und weicht im weiteren Verlauf der Erzählung auch nicht davon ab.
Das ist umso erfreulicher, als sich die (Film-)Biografien bedeutender Frauen oftmals unnötigerweise daran abarbeiten, deren Weiblichkeit mit ihren kulturellen (oder sonstigen) Verdiensten in Einklang zu bringen, solcherart ein ums andere Mal jenes längst überkommenen geglaubte patriarchale Stereotyp einsetzend, demzufolge die Frau für Gefühl und der Mann für Verstand steht. Noëlle tappt in diese Falle nicht, sie lässt sie einfach links liegen und zeigt, was Sache ist bzw. war: den harten Kampf einer Frau, die weiß was sie kann, um die Anerkennung, die ihr gebührt. Einer Frau, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, und es sind nicht wenige, nicht dazu bereit ist, ihr Licht unter den Scheffel tonangebender Männer zu stellen. Und die sich daher 1911 auch nicht von dem öffentlichen Skandal, den ihre Affäre mit ihrem verheirateten Kollegen Paul Langevin auslöst, davon abbringen lässt, den zweiten ihr zuerkannten Nobelpreis, diesmal für Chemie, persönlich in Empfang zu nehmen.
Gespielt wird Curie von der polnischen Schauspielerin Karolina Gruszka, die ihre Figur mit einem Selbstbewusstsein ausstattet, das sich aus Gedankentiefe und Könnerschaft, aus Zugewandtheit und Lebensfreude speist. Bravourös verkörpert sie eine Pionierin, die uns heute Vorbild ist.
