Markus Freistätter
Kein Plan B

Er kam 1990 in Wien zur Welt und tut in der Bundeshaupstadt nach wie vor als ehrenamtlicher Rettungssanitäter beim Samariterbund Gutes – sofern es die Zeit erlaubt, denn die Schauspielengagements sind zahlreich. Der Wunsch, sich den Lebensunterhalt mit seinem kreativen Talent zu verdienen, kam bereits in der Schulzeit auf: „Es klingt ein wenig seltsam, aber mir war nie bewusst, dass der Beruf des Schauspielers meine Zukunft werden kann. Erst bei einer Schul-Theaterproduktion wurde mir buchstäblich gesagt, dass man Schauspiel erlernen und als Beruf wählen kann. Ab diesem Moment gab es keinen Plan B mehr für mich.“

Nach einem Schauspielstudium an der Konservatorium Wien Privatuniversität folgten erste kleinere Rollen, darunter in einem Tatort. Der Durchbruch kam vor zwei Jahren mit der Hauptrolle in Reinhold Bilgeris Erik & Erika, für die es verdientermaßen eine Nominierung in der Kategorie Beste männliche Hauptrolle beim Österreichischen Filmpreis gab. Die Rolle des legendären Skifahrers, der aufgrund von unerkanntem Pseudohermaphroditismus lange als Frau gelebt hatte, verlangte Freistätter alles ab. Doch ging es nicht bloß darum, die eigene feminine Seite zu erforschen: „Die noch größere Herausforderung war eigentlich, zu realisieren, dass er immer ein Mensch war. Nicht eine Frau oder ein Mann, Erika oder Erik, sondern einfach ein Mensch, der unvorstellbare Lebenssituationen erlebt hat.“

Schauspielerisch folgt Freistätter dabei keinem bestimmten Rezept: „Mein Prozess ist jedes Mal verschieden, aber eine Strategie, die ich immer benütze, ist es, Unterschiede zwischen mir und meiner Rolle zu identifizieren. Anhand dieser arbeite ich mich durch, bis ich mich in meiner Rolle zurechtgefunden habe.“ Schubladisieren möchte sich der Schauspieler dabei keinesfalls lassen, zu groß sind Neugier und Forscherdrang: „Ich will einfach alles spielen – vom Liebhaber von nebenan zum korrupten Geschäftsmann. Denn jede Figur bringt eine komplett neue Welt, in die ich eintauchen und die ich erforschen will.“

Heuer kann man Freistätter unter anderem an der Seite von Wolfgang Böck bei den Kobersdorf-Festspielen in der Politkomödie „Außer Kontrolle“ auf der Bühne erleben – und Ende des Jahres im ersten österreichischen Kino-Animationsfilm: In Rotzbub (R: Santiago López Jover, Marcus H. Rosenmüller), der sich um die Kindheitsjahre des Karikaturisten Manfred Deix dreht, leiht er der Titelfigur seine Stimme. Auch auf die fernere Zukunft darf man gespannt sein: Eine von Freistätters Traumrollen ist der Jedermann.