Zum Gedenken an die Künstlerin Gertie Fröhlich (1930–2020).
Wer, wie so viele Angehörige der hiesigen Branche, im Österreichischen Filmmuseum filmisch „aufgewachsen“ ist, der kennt Gertie Fröhlichs herrliche Plakate, die sie von der Gründung des Hauses im Jahr 1964 bis 1984 schuf und die zum Teil noch heute in den Räumlichkeiten des Filmmuseums und im Foyer hängen. Über hundert buchstäblich handgemachte Entwürfe waren es, die die Retrospektiven des Filmmuseums ankündigten und begleiteten. Sie ragten weiter über ihre Funktion als bloße Informationsmedien hinaus, und sie waren (und sind) so außergewöhnlich, dass sie auch international große Beachtung fanden. So stellte das British Film Institute in den Jahre 1975 und 1978 ihre Arbeiten im National Film Theatre in London aus, und das renommierte US-Branchenmagazin „Hollywood Reporter“ zeichnete ihre Plakate mehrfach bei seinen „Annual Key Art Awards“ aus. Aber nicht nur die Plakate gestaltete sie, auch das legendäre „Wappentier“ des Filmmuseums, das sogenannte „Zyphius“, ist ihr zu verdanken: Sie fand es in einer Abhandlung aus dem 16. Jahrhundert über Fabelwesen.
Gertie Fröhlich wurde am 29. Juni 1930 in der Slowakei geboren und zog 1944 mit ihrer Familie (ihr Vater war Lehrer und Organist) nach Oberösterreich. 1953 kam sie nach Wien, um bei Albert Paris Gütersloh an der Akademie der Bildenden Künste Malerei zu studieren. Sie stand schon bald im Mittelpunkt der damals aufblühenden künstlerischen Avantgarde, und ihre Wohnung, die sie mit ihrem Mann Markus Prachensky in der Sonnenfelsgasse hatte, wurde zum Begegnungsort der jungen Szene. Sie war wesentlich mitbeteiligt an der Gründung der heute legendären Galerie nächst St. Stephan in der Grünangergasse, wo die heimische Avantgarde heimisch wurde. Auch Fröhlich selbst war weiterhin künstlerisch tätig. Als 1964 das Filmmuseum von Peter Konlechner und dem Filmemacher Peter Kubelka – mit dem sie nach der Scheidung von Prachensky liiert war – gegründet wurde, entstanden über zwei Jahrzehnte hinweg ihre wunderbaren Plakate, die u.a. auch 2005 in der Galerie Ulysses ausgestellt wurden. Anlässlich der Ausstellung erschien der Fotoband „Gertie Fröhlich. Plakate für das Österreichische Filmmuseum 1964-1984“, der ebenso im Shop des Filmmuseums erhältlich ist wie einige ausgewählte Plakate der Künstlerin.
Am 17. Mai 2020 ist Gertie Fröhlich im Alter von 89 Jahren im Künstlerheim Baden gestorben.
