Mein Ein, Mein Alles / Mon Roi

Filmkritik

Mein Ein, Mein Alles / Mon Roi

| Alexandra Seitz |
Was sich liebt, zerfleischt sich. Klischeehaftes Liebesdrama.

„Nicht mit dir, aber auch nicht ohne dich“, lautet bekanntlich das Motto zahlreicher Paarbeziehungen. Auch jenes von Tony und Georgio, die zunächst derart voneinander begeistert sind, dass sie nicht mehr aus dem Bett herauskommen, und deren Landung auf dem harten Boden der Realität dann, als die unvermeidliche Ernüchterung eintritt, umso harscher ausfällt. Allerdings haben die beiden da bereits geheiratet und ein Kind gezeugt, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Die Sache, das wäre sich entweder zu trennen oder einen Weg zu finden, der beiden gerecht wird. Harte Arbeit; das weiß jede und jeder, die/der es schon mal versucht hat. Noch schwieriger wird es, wenn, wie im vorliegenden Fall, ein Machtgefälle zwischen den Partnern besteht. Mon roi lautet der Originaltitel von Maïwenns Film und bringt es auf den Punkt: die Hierarchie und die Abhängigkeit, die daraus folgt. Der titelgebende König ist Georgio, den unberechenbar zu nennen eine Untertreibung wäre, und Tony ist seine Königin nur in einem ziemlich traditionellen Sinn: sie bringt seinen Sohn zur Welt und hat sich ansonsten nach ihm zu richten. Das sorgt für Turbulenzen, da die Anwältin Tony mit der Rolle der treusorgenden Hausfrau nichts anfangen kann. Allerdings sieht man sie so gut wie nie arbeiten.

Maïwenn konzentriert sich stattdessen auf die Psychodynamik der Zweierbeziehung, vergisst dabei aber etwas Entscheidendes: die Charakterisierung der Figuren. Besonders schlimm trifft dieser Umstand Vincent Cassel in der Rolle Georgios, der über das Klischeebild des Alpha-Machos mit zärtlichen Anwandlungen kaum einmal hinauskommt. Aber auch Emmanuelle Bercot als Tony chargiert sich durch die Register der Hysterikerin, wofür sie vergangenes Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes prompt mit dem Preis für die beste Darstellerin (ex aequo mit Rooney Mara in Carol) ausgezeichnet wurde. Dass Tony Georgio verfallen ist, bleibt ebenso bloße Behauptung wie Georgios Bedürfnis, Tony zu beherrschen, weil Maïwenn in ihrer Inszenierung immer wieder an die Stelle glaubwürdiger Gefühlsäußerung die Zelebrierung des emotionalen Eklats setzt. Die ausgedehnte Rahmenhandlung in einer Reha-Klinik, in der Tony nach einem schweren Ski-Unfall wieder gehen lernen muss (Achtung! Metapher!) und Zeit für Rückblenden hat, bläht den Film zusätzlich auf. Viel Lärm um nichts.