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Filmkritik

Miss Bodyguard / Hot Pursuit

| Marietta Steinhart |
Haben wir das alles nicht schon einmal anderswo besser gesehen?

Reese Witherspoon betonte im vergangenen Jahr, dass es nicht genügend gute Rollen für Frauen in Hollywood gäbe (stimmt übrigens) und wie sie die Kontrolle über ihre Karriere und die ihrer Kolleginnen mit von ihr produzierten Filmen wie Wild und Gone Girl zurückerobern wolle. Die Wahl ihres aktuellen Projekts mutet deshalb ein wenig seltsam an, weil Hot Pursuit eine untiefe Buddy-Komödie ist, aber ohne den Meta-Charme von 21 Jump Street, ohne die Raffinesse von Midnight Run und ohne die wirtschaftliche Schlagkraft von seinem augenscheinlichsten Vorgänger The Heat mit einer pragmatischen Sandra Bullock und einer pikanten Melissa McCarthy an der Spitze.

In Hot Pursuit spielt Reese Witherspoon die gesetzestreue Polizistin Cooper, deren Hingabe an den Beruf ihre Fähigkeiten bei weitem übersteigt. Sie wird beauftragt ein kolumbianisches Ehepaar, das gegen einen Drogenbaron aussagen soll, sicher nach Dallas zu eskortieren, doch der Einsatz läuft schief, ihr Partner sowie der männliche Kronzeuge werden erschossen. Zu Unrecht des Mordes beschuldigt, befinden sich Cooper und die frisch verwitwete Daniella Riva (Sofía Vergara aus Modern Family) nun auf der Flucht und wie das nun einmal ist in dieser Art von Komödie, könnten die beiden ungleicher nicht sein: die eine sexy, charismatisch und verwöhnt; die andere klein, verklemmt und überkorrekt. Das größte Potenzial liegt im optischen Kontrast der beiden Stars, aber es ist ein Fehler zu glauben, dass Witze über die Größe von Reese Witherspoon und das Temperament oder den Akzent von Sofía Vergara (beide sind hier als Produzentinnen beschäftigt) einen Film tragen können, fehlgeleitet von einer einfallslosen Drehbuchschablone der Sitcom-Autoren David Feeney und John Quaintance.

Flüchtige Freude gibt es wenn sie im Hirschkostüm eine Straßensperre umgehen, aber Slapstick-Segmente wie aus einem winzigen Badezimmerfenster zu entfliehen sind überstrapaziert. Es ist jene Art von Film in dem eine Verfolgungsjagd mit einem Bus voller Senioren die aufreibendste Action-Szene ist.

Nebenfiguren wie die korrupten Cops sind ebenso schlecht besetzt wie der gehaltlose Verehrer (Robert Kazinsky). Und so wirft Hot Pursuit kein gutes Licht auf Regisseurin Anne Fletcher, die sich auf dem Charme und der Chemie von zwei bewährten Komödiantinnen ausruht. Der Trend in Hollywood hin zu weiblichen Comedy Talenten vor und hinter der Kamera ist überaus wohltuend, doch wirft diese aufgewärmte Farce den Fortschritt um einige Jahrzehnte zurück.