Liebevoll gestaltetes Stop-Motion-Abenteuer aus dem Hause Laika
Als Forscher hat man es nicht leicht. Und als Sir Lionel Frost (Originalstimme: Hugh Jackman) schon gar nicht. Nicht nur seine Assistenten verschreckt er regelmäßig mit seiner ungestümen Entdeckerlust. Auch der Britische Verband der Geografen hält herzlich wenig von den unkonventionellen Theorien und Methoden des allzu kühnen Abenteurers. Immer wieder begibt sich Frost in größte Gefahren, um den Vorfahren der Menschen auf die Spur zu kommen. Es geht ihm darum, den Bogen zwischen der alten und der neuen Welt zu schließen, doch noch fehlt ihm der berühmte „Missing Link“, mit dem er sich endlich auch den Respekt der traditionellen Wissenschaft verschaffen könnte. Als er plötzlich und unverhofft auf genau das Wesen trifft, nach dem er sein ganzes Forscherdasein vergeblich gesucht hat, entpuppt sich der fellige Riese (Zach Galifianakis) zudem überraschenderweise nicht als grummeliges Vorzeitmonster, sondern als eine äußerst liebenswerte Kreatur, die lediglich unter der Vorstellung leidet, den Rest seines Lebens allein in einer Höhle zu verbringen. Doch soll es an einem geheimnisvollen Ort namens Shangri-La noch entfernte Verwandte seiner Spezies geben, und so macht sich Frost mit seiner neuesten Entdeckung im Schlepptau auf eine weitere aufregende Reise rund um den Globus, um „Mr. Link“ zu seinen Artgenossen zu führen.
Freunde suchen und seinen Platz in der Welt finden, darum geht es in dem neuesten Stop-Motion-Abenteuer aus der Werkstatt des Animationsstudios Laika. Und über weite Strecken wird Missing Link diesem Anspruch auch gerecht. Schade ist nur, dass Regisseur Chris Butler (Kubo and the Two Strings) so sehr damit beschäftigt scheint, seine Botschaft zu vermitteln, dass der Film dabei einen erheblichen Teil seines Spannungspotenzials einbüßt. Zu gradlinig verläuft das Geschehen, zu eindimensional wirken die Figuren – vor allem Hugh Jackman hätte aus einem etwas weniger gestriegelten britischen Gentleman noch mehr herausholen können. Und trotzdem ist Missing Link ein großer Spaß auf der Leinwand. Denn die Abstriche beim Drehbuch und in der Figurenzeichnung holt der Film mühelos über seine Bilder wieder heraus. Mit viel Liebe fürs Detail wird hier die Welt um 1900 nachgezeichnet, eine Welt, die nach vorne strebt, deren Zauber jedoch noch nicht ganz dem unbeugsamen Entdeckungs- und Eroberungswillen der westlichen Kulturen zum Opfer gefallen ist. Und nicht umsonst besteht die große Kunst von Laika seit Jahren darin, klassische Stop-Motion auf digitalem Niveau zu produzieren. Missing Link ist ein weiterer Beweis dafür, und der exzellente Original-Voice-Cast, zu dem neben Jackman auch Emma Thompson und Stephen Fry gehören, garantiert zudem ein Leinwandabenteuer, bei dem auch Herz und Humor nicht zu kurz kommen.
