Noah Baumbach macht bessere Woody-Allen-Filme als Woody Allen.
Die 30-jährige Brooke, gespielt von der großartigen Greta Gerwig, platzt vor kolossalen Ideen und prächtigen Ambitionen, ist aber nicht gut darin, sie umzusetzen. Sie beschreibt sich selbst als Autodidaktin und fügt hinzu: „Das Wort habe ich mir selbst beigebracht!“ Sie bewegt sich durch New York mit dem Selbstbewusstsein von jemandem, der zu Großem bestimmt ist, aber dieses „Große“ hat sie noch nicht eingeholt. Ja, als Nachhilfelehrerin, Aerobic-Trainerin und Teilzeit-Innenarchitektin hat Brooke einige Eisen im Feuer. Mit vagen Plänen für ein Restaurant, das außerdem als Friseursalon und Kunstgalerie fungieren soll, und einem abwesenden Freund, der in Griechenland „gegen das Land wettet oder sowas Ekliges“, ist sie ihre eigene unzuverlässige Erzählerin, doch erzählt wird die Geschichte durch die rosarote Brille einer anderen Figur.
Ihre Stiefschwester Tracy (Lola Kirke), eine junge, aufstrebende Schriftstellerin braucht Inspiration und macht heimlich mentale und mitunter bösartige Notizen für eine Geschichte, die ihr die Gunst eines Schriftstellerkreises gewinnen soll. Aber eine Muse ist nur so interessant so lange sie intakt ist, und Brookes Fassade beginnt zu zerbrechen. In einer protzigen Vorstadtresidenz, wo ihre Erzfeindin Mamie-Claire (Heather Lind) mit jenem Mann (Michael Chernus) lebt, den sie einst von Brooke gestohlen hat (ihre Katzen und eine lukrative T-Shirt Design-Idee noch dazu), verwandelt sich der Film in eine urkomische Farce und vollwertiges Kammerspiel im Geiste der Screwball-Komödien von einst. Inzwischen ist es keine Offenbarung mehr, dass der Frances Ha-Regisseur Noah Baumbach – ein Experte der Mittzwanziger-Krise – bessere Woody-Allen-Filme macht als Woody Allen dieser Tage.
Das verdankt er auch seiner Ko-Autorin und Lebenspartnerin, dem schillernden Girl an seiner Seite, Greta Gerwig, eine der großen, furchtlosen Komikerinnen und Autorinnen ihrer Generation. Wie schon ihre gemeinsame Arbeit Frances Ha (2012) ist dies ein Film im Zeitgeist der konstanten Selbstaktualisierung, über eine freigeistige, verträumte Stadtneurotikerin, die nicht recht erwachsen werden will, doch im Gegensatz dazu und zu Baumbachs früheren Filmen rennt hier unaufhaltsam der Schmäh mit endlos zitierfähigem Dialog. Wenn wir diese verblendeten, narzisstischen, theatralischen Charaktere so lieben, dann deshalb, weil ihre Vorliebe für tiefgreifende Fehler genau das ist, was sie so liebenswert macht.
