Filmstart

Mit Herz und Hund

| Ines Ingerle |
Wenig überzeugende Spazierrunde

Zwei rüstige Oldies geraten sich bei der Gassirunde mit ihren Hunden in einem Londoner Park in die Haare: Dave (Dave Johns) hat seine Schäferhündin nicht angeleint, was die Yorkshire-Terrier-Besitzerin Fern (Alison Steadman) furchtbar aufregt. Erzürnt bedient sie das Klischee aller Kleinhundebesitzer, nimmt ihren Vierbeiner auf den Arm und stapft mit einer schnippischen Bemerkung an dem erstaunten Herren vorbei. Was als Auseinandersetzung beginnt, entwickelt sich jedoch im Laufe von dreiundzwanzig gemeinsamen (Hunde-)Spaziergängen zu einer zarten Romanze. Jeder der beiden frisch Verliebten trägt neben der Hundeleine aber auch einen schweren emotionalen Rucksack mit sich herum, dessen Inhalt nicht vollständig vor der jeweils anderen Person ausgebreitet wurde. Die Geheimnisse und die Folgen eines langen, steinigen Lebens drohen so recht schnell, das potenzielle späte Liebesglück zu zerstören.

Paul Morrisons Romantikkomödie erinnert unweigerlich an Ricky Gervais’ Afterlife. Das mag positiv klingen, ist es aber nicht: Denn während Afterlife durch geistreiche Dialoge, humorvollen Tiefgang und überzeugende Charaktere begeistert, kann 23 Walks nicht viel davon vorweisen. Die platten Dialoge wirken wie eine Aneinanderreihung von Glücks-Keks-Weisheiten und Kalendersprüchen und lachen muss man höchstens dort, wo es mit Sicherheit nicht intendiert ist: Nämlich da, wo die Szenen vollends ins Lächerliche abdriften – und das ist öfter der Fall, als einem lieb ist.

Dabei gelingt es den Hauptdarstellern sogar, ihren Charakteren Leben einzuhauchen, während sie versuchen, mit den unzähligen klischeebehafteten Handlungsfäden zu jonglieren. In dem ein oder anderen Moment werden Emotionen spürbar und somit greifbar, was ältere Menschen bewegt und wie schwer es ist, mit dem umzugehen, was sie unweigerlich in neue Beziehungen mitbringen: emotionales Gepäck, Ex-Partner, eigensinnige erwachsene Kinder, Wohnungsprobleme,
finanzielle Sorgen und Performance-Ängste im Bett. Die Traurigkeit, die Melancholie und der Schmerz, den diese Menschen mit sich herum tragen, schimmern immer wieder durch, werden jedoch unter der Schwere der gestelzten Dialoge und einem kitschig-aufdringlichen Score begraben. Die ständig unmotiviert bellenden Hunde und ein Gastauftritt der aus der populären Netflix-Serie Sex Education bekannten Rakhee Thakrar können 23 Walks leider auch nicht retten.
Schlussendlich bleibt eine gut gespielte, jedoch viel zu holprig erzählte, wenig überzeugende Geschichte über die Herausforderungen reifer Liebe, angereichert mit hübschen Bildern der Londoner Landschaft. (Ines Ingerle)