Monos Film

Filmkritik

Monos

| Alexandra Seitz |
Ein großes Biest, das randalierend über die Leinwand zieht

Lateinamerika, Gegenwart: Hoch oben in den Bergen bewacht die aus Teenagern zusammengesetzte, paramilitärische Einheit „Monos“ im Auftrag einer ominösen Rebellen-Organisation eine US-amerikanische Geisel. Die (Kampf)Handlung vollzieht sich in der Folge in einem Wechsel von disziplinierter Aggression und disziplinarischem Zerfall, der den quasi natürlichen psychodynamischen Aggregatzuständen dieses Haufens pubertierender Jugendlicher folgt. Als nach einem plötzlich erfolgten und nicht weiter erklärten Angriff auf ihre Stellung die Monos sich dazu gezwungen sehen, mit ihrer Geisel einen Ortswechsel in den Dschungel vorzunehmen, spitzen sich die Dinge zu.

Monos, das im besten Sinne pan-lateinamerikanische Unterfangen des in Brasilien geborenen und in Ecuador und Kolumbien aufgewachsenen Alejandro Landes, ist vor dem Hintergrund der langjährigen, bürgerkriegsähnlichen Konflikte in Kolumbien zu sehen, deren Frontverläufe so unübersichtlich sind wie die beteiligten Parteien zahlreich: Paramilitärs, Guerrillas, Narcos, staatliche Institutionen, Interessensvertreter aus dem Ausland. Erst mit dem Waffenstillstandsabkommen zwischen der FARC, der einflussreichsten der Guerilla-Gruppen, und der Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos kam in den vergangenen Jahren ganz allmählich ein Friedensprozess in Gang, dessen endgültige Entwicklung allerdings noch nicht abzusehen ist.

Fakt ist, dass es im Allgemeinen die niederen Ränge und damit die jüngsten Mitglieder von Rebellengruppen sind, die mit der Aufgabe betraut werden, Geiseln respektive Kriegsgefangene zu bewachen. Monos schildert also zum einen die Funktionalisierung der Jugend, die in und mit kriegerischen Zuständen aufgewachsen und von diesen geprägt worden ist. Darüber hinaus ist Monos die anschauliche Umsetzung dessen, wofür der preußische Militär Carl von Clausewitz (1780–1831) den Begriff „Nebel des Krieges“ (Fog of War) geprägt hat, womit „die Unsicherheit und Unvollständigkeit des kriegswichtigen Wissens“ gemeint ist. Stofflich wahrnehmbar durchzieht dieser Nebel in der ersten Hälfte des Films die Gebirgslandschaft, während er sich in der zweiten Hälfte in einen sehr gegenständlichen Urwald verwandelt.

In Bildern quasi zweckfreier Schönheit transzendiert Monos die Qual eines zunehmenden Moral- und Werteverlustes und setzt den (jugendlichen) Opfern einer übergeordneten grausamen Struktur, aus der es (noch) kein Entrinnen gibt, eindringlich ein Mahnmal angemessener Größe.