Moonage Daydream

Filmstart

Moonage Daydream

| Pamela Jahn |
David Bowie forever!

Als Rockstar war David Bowie der Größte. Auf der Bühne lebte er sich aus – rastlos, rückhaltlos. Hier durfte er alles sein und alles spielen, mit anderen Identitäten flirten und sämtliche Grenzen überschreiten. Ob Ziggy Stardust oder Aladdin Sane, Bowie war einer wie keiner: ein endlos kreativer Schöpfer, der nicht nur musikalisch seine Wandelbarkeit zelebrierte, sondern obendrein schauspielern konnte, und der sich trotzdem immer selbst treu und fest auf dem Boden der Tatsachen blieb.

Am 10. Januar 2016 verließ Bowie nach einem langen Kampf gegen den Krebs viel zu früh diese Welt. Und wenn Brett Morgen ihn in seiner Dokumentation jetzt zu neuem Leben erweckt, wird klar, wie groß das Ausmaß des enormen Verlustes ist, den sein Tod bedeutet. Mit bisher unveröffentlichtem Material aus den Privatarchiven des Bowie-Nachlasses ist Moonage Daydream ein wildes, bisweilen psychedelisch berauschendes Potpourri aus Live-Auftritten und Interviews, Bowies eigenen Video-Experimenten und Gemälden sowie einer Auswahl von Clips, die ihn als Schauspieler zeigen oder seine diversen Einflüsse offenbaren: The Wizard of Oz, Georges Méliès’ Eine Reise zum Mond, Murnaus Nosferatu oder Buñuels Ein andalusischer Hund sind dabei nur die prominentesten Beispiele in einem Sammelsurium von visuellen Eindrücken, die sich im Gedächtnis festsetzen. Im geballten Zusammenspiel der einzelnen Teile versucht Morgen zu veranschaulichen, was Bowies Kunst ausmachte und wer er als Künstler war. Kein leichtes Unterfangen, aber ein faszinierender Bildrausch im besten Sinn des Wortes.

Bowie selbst bleibt dabei über weite Teile des Films das Mysterium, das er selbst schuf: Der Sänger als rätselhaftes Wesen, ein Außerirdischer, der irgendwann vom Himmel fiel und sich von Anfang an nonchalant über sämtliche Normen, traditionelle Geschlechterrollen oder konventionelle Klänge hinwegsetzte. Er war, wie er war, und die Leute feierten ihn dafür genauso wie für seine Musik.

Außer Frage steht, dass Brett Morgen ebenso zu jenen vorbehaltlosen Fans gehört. Seine Wahnsinns-Collage ist Hommage und Liebesbeweis zugleich. Die abstrakte Struktur passt zu Bowies jenseitigem Charakter. Biografische Einzelheiten werden im Film dagegen nur flüchtig erwähnt oder ganz ausgelassen, als ginge es dem Regisseur darum, auch postum unbedingt die Privatsphäre des „Starman“ zu respektieren, die Bowie zu Lebzeiten stets wahrte. Und vielleicht lässt sich nur so die Essenz des Musikers in etwas Greifbares übertragen, auch wenn der Overkill an Bildern, Klängen und Sinneseindrücken zwischendurch kurzeitig zu Ermattungserscheinungen führt.