Mutterschaft im Bann von Angst und Intuition
Der Grauen des ersten Kindes, der Druck, die Angst, die Einsamkeit, das Nicht-Verstanden-Werden, das Muttersein, der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte: All das und nicht weniger verpackt Johanna Moder in Mother’s Baby, den Arthouse-Fans wohl als Genrefilm betiteln würden. Ein Begriff, der inzwischen fast schon Synonym geworden ist für alles, was uns andeutungsweise einen kalten Schauer oder zumindest ein bisschen Angstschweiß bescheren soll. Zugegeben: Skepsis liegt nahe, wenn man auf die große Zahl an Arthouse-Horror blickt, die im letzten Jahrzehnt produziert wurde. Doch Mother’s Baby schafft es, beide Lager gleichermaßen abzuholen: Egal ob Festivalbesucher oder Grusel-Connaisseur der alten Schule, Mother’s Baby überzeugt mit einfachen Mitteln und erzeugt stressvollen Nervenkitzel im besten Sinn. Zwischen Kameraeinstellungen, die an Horrorklassiker erinnern und der sich immer stärker aufbauenden Paranoia der Protagonistin entsteht in knapp hundert Minuten eine derartige Beklemmung, dass man sie am liebsten einfach in den Arm nehmen möchte. Moder setzt dabei weniger auf plumpe Schockmomente als auf eine Atmosphäre, die langsam anschwillt und sich wie ein unsichtbares Gewicht auf die Brust legt. Das Grauen kriecht von Szene zu Szene und entfaltet sich in kleinen, alltäglichen Gesten: Blicke, Atmen, ein fast unmerklicher Stillstand.
Und wie jeder gute Genrefilm endet er nicht mit einer halbherzigen Auflösung, sondern öffnet einen perfiden Interpretationsspielraum. Die Geschichte ist dabei so einfach wie komplex: Julia (Marie Leuenberger), die sonst große Orchester im Konzerthaus dirigiert, erfüllt sich in einer Spezialklinik gemeinsam mit ihrem Mann (Hans Löw) den sehnlichsten Wunsch nach einem Kind. Doch was anfangs verheißungsvoll wirkt, verwandelt sich schon im Kreißsaal in eine seltsame Entfremdung von der Wirklichkeit. Irgendetwas stimmt von Anfang an nicht mit diesem furchtbar stillen Baby. Während ihr ganzes Umfeld Mutter Julia zunehmend als verrückt abstempelt, beginnt sich ein großes Geheimnis zu entfalten. Der Film könnte zwar als Analogie auf die weiterhin stark stigmatisierte postnatale Depression gelesen werden, die immerhin bis zu fünfzehn Prozent aller Mütter betrifft – sehr viel mehr aber ist er eine Hommage an die Intuition einer Mutter, die am Ende stärker sein kann als jede Kraft von außen.
