Mulan

Filmkritik

Mulan

| Alexandra Seitz |
Wenn das Warten sich nicht lohnt

Im Zuge der Disney’schen Strategie, alten Wein in neue Schläuche umzufüllen, um auf diese Weise mehrfach abzukassieren, hat es nun Mulan erwischt, und ein weiterer erfolggesegneter Zeichentrickfilm aus dem Haus der Maus wird einer Realverfilmung unterzogen. Thema der Vorlage ist die Selbstermächtigung einer einfachen jungen Frau aus der chinesischen Provinz, die sich anstelle ihres Vaters als Kriegerin in der Kaiserlichen Armee beweist. Und das, obwohl die strenge Strafe der Entehrung ihrer gesamten Familie (mitsamt Ahnen) darauf steht, sich als Frau eine Männerrolle anzueignen. Mulan war die erste Disney-Animation, in der eine Asiatin die klassische Prinzessinnen-Rolle inne hatte und zudem noch kämpferisch aktiv werden durfte – bei welcher Gelegenheit Geschlechterrollen und Männlichkeitsbilder spielerisch-gründlich hinterfragt wurden.

Das Real-Remake folgt dem in Grundzügen: Mulan bewährt sich im Kampf gegen die das Reich bedrohenden Hunnen und nimmt schließlich sogar den Kaiser für sich ein. Weicht dann aber auch signifikant von der Erzählung ab: Neu ist beispielsweise die Figur der Hexe Xian Lang, die mit dem Hunnen-Häuptling im bösen Bunde steht, und die eine Art abschreckendes Beispiel für fehlgeleitete Emanzipationsbestrebungen darstellt; denn wie in Mulan, so ist auch in Xian Lang das Chi, die Kampfkunst-Energie, stark ausgeprägt und sie fühlt sich eher aufs Schlachtfeld denn zu Heim und Herd berufen.

Seinen Mehrwert sucht Real-Mulan darüber hinaus in typisch asiatischen Martial-Arts-Choreografien. Allerdings vergeblich, weil auf einen Choreografen, der diese Kämpfe inszenieren könnte, offenbar verzichtet wurde und stattdessen der Schnittmeister in der Post-Produktion die Ansage bekam, da irgendwie was zusammen zu montieren. Genauso sieht das dann auch aus. Was insofern geradezu sträflich ist, als Martial-Arts-Recken wie Donnie Yen in der Rolle des Generals und Jet Li in der des Kaisers agieren. Jet Li darf gar nur ein paar Mal ein paar Schläge abwehren, bevor er sich hoch oben auf einem Gerüst gefesselt wiederfindet und nur mehr ohnmächtig zusehen kann. Und Donnie Yen darf zwar einige beeindruckende Routinen vollführen, die dann aber schlimm verhackstückt werden. Nicht besser ergeht es der chinesischen Diva Gong Li in der Rolle der Hexe, deren Schönheit von einem Streifen weißer Farbe quer übers Gesicht gedämpft wird. Der unbotmäßige Streifen soll vermutlich die Schwarze Magie unterstreichen, die in ihr wirkt. Er weist aber nur unnötig darauf hin, was hier alles verschwendet wird.