Village-Rockstars-2
Village Rockstars 2

Filmfestival

Neues aus Fernsüdost

| Andreas Ungerböck |
Der Vorverkauf für die vierte Ausgabe des Red Lotus Asian Film Festival Vienna hat begonnen.

Wien ist ein kulturelle Hochburg, ohne Zweifel. Musik, Theater, Bildende Kunst prägen seit jeher das Image der Stadt. Mit Filmkultur tut man sich in der Zwei-Millionen-Stadt etwas schwerer. Dennoch gibt es immer wieder neue Initiativen, die sich darum bemühen, eine vielfältige Filmlandschaft aufrechtzuerhalten. Neben dem großen Flaggschiff, der Viennale im Oktober, versuchen sich Festivals unterschiedlichster Ausrichtung zu etablieren bzw. zu behaupten. Lange Zeit fehlte der angeblich so „weltoffenen“ Stadt Wien ein Asien-Filmfestival, wie es in vielen anderen europäischen Städten (Amsterdam, Barcelona, Rom, Udine, Warschau, um nur einige zu nennen) längst eine Selbstverständlichkeit ist. Erst 2022 konnte diese Lücke, nach jahrelangem zähem Ringen mit den Subventionsgebenden geschlossen werden. Die erste Ausgabe wies zwar ein beeindruckendes Filmangebot – von Bangladesh bis zu den Philippinen – auf, war aber noch sehr von der gerade im Abklingen befindlichen Pandemie beeinträchtigt. Seither aber geht es steil aufwärts mit dem noch jungen Festival, dessen Fokus seit Anbeginn darauf liegt, „das populäre asiatische Kino als lebendige, schillernde Massenkultur zu feiern“, wie es auf der Website heißt.

Von 24. bis 27. April findet nun die vierte Ausgabe von Red Lotus statt. Die Mehrzahl der Filme läuft wie gewohnt im Stadtkino im Künstlerhaus, zwei weitere Vorstellungen wird es zudem im majestätischen Gartenbau Kino geben. Die beiden Festivalleiterinnen Katja Wiederspahn und Cao Liuying haben wieder ein ambitioniertes Programm zusammengestellt. Den Auftakt macht diesmal der indische Film Village Rockstars 2, das Sequel zu Rima Das‘ beeindruckendem Frauenporträt von 2017. Das Mädchen Dhunu, damals zehn Jahre alt, ist inzwischen zu einer jungen Frau herangewachsen, die noch immer davon träumt, als Rockstar die Welt zu erobern. Regisseurin Rima Das wird als Gast zur Eröffnungsgala erwartet.

Der geografische Schwerpunkt liegt in der vierten Festivalausgabe eindeutig auf Südostasien. So gibt es Filme aus Hong Kong (unter anderem das Gehörlosen-Drama The Way We Talk von Adam Wong), Japan (We Are Aliens von Ugana Kenichi), Südkorea (Silver Apricot von Jang Man-min), Taiwan (The Chronicles of Libidoists von Yang Ya-che) und Singapore (An Unfinished Film von Lou Ye) zu sehen, auch aus Myanmar und den Philippinen kommt jeweils ein Film. Mit dem diesjährigen Abschlussfilm Don’t Cry, Butterfly von Duong Diệu Linh erstmals auch das aufstrebende Filmland Vietnam beim Red Lotus Festival vertreten. Ein weiteres Highlight ist Constance Tsangs intensives, in New York angesiedeltes Drama Blue Sun Palace.

Der alljährlich verliehene Lifetime Achievement Award des Red Lotus Festivals geht diesmal an eine herausragende Institution des asiatischen Kinos, nämlich das legendäre Shanghai Animation Film Studio, das zahlreiche Klassiker der chinesischen Animations-Geschichte geschaffen hat, darunter, wohl am bekanntesten, Havoc in Heaven (1961/64) mit der populären Figur des Affenkönigs Sun Wukong. Mit dem aktuellen Film A Story About Fire feierte das Studio in diesem Jahr quasi seine Rückkehr.

Wie die beiden Festivalleiterinnen erklären, wollen sie in den kommenden Jahren das Programm ausbauen, ein Länderschwerpunkt zu China sei in Planung. Geht man nach dem Publikumszuspruch des letzten Jahres, dann erscheint diese Expansion mehr als berechtigt.