New York I Love You

Filmkritik

New York, I Love You

| Gabriela Seidel-Hollaender |

Namhafte Regisseure präsentieren eine Filmanthologie zum Thema Liebe in New York.

Nach Paris, je t’aime hat Produzent Emmanuel Benbihy erneut eine Reihe namhafter Regisseure versammelt und sie kurze Filme zum Thema „Liebe“ in New York drehen lassen. „Cities of Love“ nennt der Produzent seine konzeptionelle Filmreihe – die Städte Shanghai, Rio und Jerusalem sind als nächste Drehorte angekündigt. Anders als in der Pariser Version sind in New York, I Love You die Episoden miteinander verbunden. Weil sich der Produzent „weiche“ Übergänge wünschte, hat er Regisseur Randall Balsmeyer damit beauftragt, diese zu inszenieren. Balsmeyer hat zu diesem Zweck die immer wieder auftauchende Figur einer Dokumentarfilmerin erschaffen: Sie filmt in den Teilen der Stadt, in der die einzelnen Episoden spielen. Das funktioniert ganz gut, wirkt aber etwas bemüht und konstruiert. Die hochkarätig besetzten einzelnen Episoden sind jeweils an einen Stadtteil gebunden. Während Wen Jiang einen Taschendieb in Chinatown tricksen lässt, erzählt Mira Nair auf wundervolle Weise von einer Begegnung zwischen einer jüdischen Braut (Natalie Portman) und einem indischen Diamantenhändler im Diamond District. Shunji Iwai schickt einem überforderten Komponisten (Orlando Bloom) Hilfe in die Upper West Side und Yvan Attal lässt einen selbst verliebten Schriftsteller (wunderbar schmierig: Ethan Hawke) bei einer Schönheit in Soho abblitzen. Brett Ratner schickt einen Jüngling, der von seiner Partnerin versetzt wurde, mit einer vermeintlichen Rollstuhlfahrerin zum Abschlussball der Highschool und Fatih Akin zeigt, wie ein alter Maler an der Liebe zu einem schüchternen chinesischen Mädchen in Chinatown zerbricht. Shekhar Kapurs Episode um eine Opernsängerin (Julie Christie), die aus der Zeit gefallen zu sein scheint, hebt sich stilistisch durch seine in gleißendes Licht getauchte, zwanghaft überhöht wirkende Geschichte genauso ab, wie Natalie Portmans Vater-Tochter Geschichte im Central Park, die leider zu sehr mit dem moralischen Zeigefinger wedelt. Obwohl nicht alle Episoden gleich stark sind, haben die Geschichten zwischen Tragik und Komik allesamt ein gutes Gespür für die Stadt und ihre Bewohner. Höhepunkt der Anthologie bildet Joshua Marstons älteres Paar, das sich zu seinem 63. Hochzeitstag nach Brighton Beach begibt – er schlurfend, sie schimpfend. Am Meer angekommen, legt sie ihren Kopf an seine Schulter und schaut mit Tränen in den Augen auf das Meer. Doch dieser rührende Moment dauert nicht lange: Zwei Skateboardfahrer reißen das Paar beinahe um. Dann schlurft er weiter und sie beginnt wieder zu schimpfen.