Genregeschichte trifft Kunstwollen – Funken fliegen.
Ich weiß nicht, wie das alles zusammenhängt, aber es ist sehr seltsam.“ Das sagt einmal eine der Figuren in New York … November (der bei diversen Festivaleinsätzen bislang unter dem Titel South firmierte), dem Spielfilmdebüt von Gerhard Fillei und Joachim Krenn, und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Man kann das unfreiwillig komisch finden, man kann es aber auch als nüchterne Feststellung nehmen und dem seltsamen Treiben einfach weiter zuschauen. Denn gerade in seiner Unbekümmertheit um Plausibilität, Stringenz und Ökonomie ist New York … November konsequent. Der Film entwickelt seinen Sog auch gerade deswegen, weil es in ihm von Beginn an auf reichlich holprige Weise drunter und drüber geht, während zugleich die beträchtlichen künstlerischen Ambitionen der Filmemacher in jeder Einstellung spürbar sind. Warum bescheiden sein, wenn’s großkotzig auch geht?
Und es geht so: Nach einem kolossal vermurksten Bankraub taucht Bruce McGray im winterlichen New York unter. Im Gepäck das Tagebuch einer Frau, die ihm auf seltsame Weise vertraut erscheint. Geschickt hat ihm das Buch eine ehemalige Geliebte in Del Rio. Bruce beginnt vom Aussteigen zu träumen, vom Süden, von der Rückkehr zu ihr und von einem anderen Leben in Frieden. Doch die Aufzeichnungen der Unbekannten rufen etwas in ihm wach, lösen etwas in ihm aus, erinnern ihn an etwas längst Vergangenes, vergessen Geglaubtes, Schreckliches.
Außerdem treten auf: eine junge Frau auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann; ein Pianohändler in Schwierigkeiten mit der Mafia; diverse Polizisten; dubiose Hintermänner. Dazu gesellen sich Rückblenden und Erinnerungsfetzen und seltsam ort- und zusammenhanglose Szenen. Überwiegend in Schwarzweiß, manchmal auch in Farbe. Am Ende hängt alles mit allem auf seltsame Weise zusammen, das erträumte Glück bleibt flüchtig und eine große Melancholie macht sich breit.
New York … November ist ein atmosphärischer Film und in der Kreation seiner Stimmungen derart erfolgreich, dass einem all die überdeterminierten Handlungsfetzen, schattenhaft bleibenden Charaktere und lediglich angerissenen Motive mit der Zeit herzlich egal werden. Weil die New-York-Bilder so neu und doch klassisch wirken, weil das Licht so expressiv gesetzt ist, weil der Schnitt einen Ausdruckstanz aufführt, weil das Gefühl so viel wichtiger ist als der Verstand. Wenn die Genre-Story vom Loner, seiner tragischen Vergangenheit und der vergeblichen Hoffnung auf Rettung durch eine Frau, die ihn liebt, durch den Experimentalfilm-Wolf gedreht wird, dann sieht das Ergebnis aus wie New York … November
