Die klassische Samurai-Saga als eklektisches Fantasy-Filmspektakel
Die in Japan jedem Schulkind bekannte Legende von den 47 Ronin, die Anfang des 18. Jahrhunderts ihr Leben für die Ehre ihres zum Tode verurteilten Fürsten opferten, wurde oft adaptiert: auf der Bühne, auf der Leinwand und in Printmedien. Als Kinoklassiker gilt die epische Verfilmung von Meisteregisseur Mizoguchi Kenji (Genroku chushingura, 1941/42) auf Veranlassung der Regierung, die mit der Geschichte den Kampfgeist und die Opferbereitschaft des japanischen Volkes während des Zweiten Weltkriegs anstacheln wollte. Der Unterschied zwischen Mizoguchis subtiler, seelische Probleme auslotender und den historischen Ereignissen nachgehender Inszenierung ohne Kampfszenen, mit langen Kamerafahrten durch Räume, mittels derer komplexe, situationsbezogene menschliche Beziehungen angedeutet werden, und diesem grellen Action-Spektakel könnte krasser kaum sein. Carl Rinsch hat einen kunterbunten Märchenfilm mit mangamäßiger Story über Mythen, Monstren und Mutationen in Szene gesetzt, mit einem riesenhaften Fabeltier, Kampfkolossen in Samurai- und Gladiatorengestalt, sowie einer schrecklich bösen Hexe, die ihre Gestalt verändern kann und mal als Konkubine, als weiße Füchsin oder als Lindwurm für Unheil sorgt.
Vom Originalstoff ist nur das Handlungsgerüst geblieben: Fürst Asano versucht, den hohen Adligen Kira bei Hofe mit dem Schwert zu erschlagen und wird dafür zum Tode durch Seppuku verurteilt. Seine Samurai unter Führung des Burgvogts Oishi werden zu herrenlosen Ronin degradiert und ausgestoßen. Oishi kann diese Schmach nicht hinnehmen und plant Vergeltung. Mit 46 Getreuen dringt er in Kiras Schloss ein, um ihn während eines No-Schauspiels zu töten. Kira wird per Schwertstreich geköpft, die Ronin müssen zur Strafe rituell Seppuku begehen.
In Gestalt von Keanu Reeves wird hier eine neue Figur in den Kreis der Ronin eingeführt: Der Super-Fighter Kai ist ein Mündel Fürst Asanos und unsterblich verliebt in dessen Tochter Mika, die seine Gefühle erwidert. Reeves spielt den Part fast ausdruckslos, das mimische Repertoire von Asano Tadanobu in der Schurkenrolle des Kira beschränkt sich auf fieses Lächeln. Einzig Sanada Hiroyuki, in seiner Kinokarriere vom Karatekämpfer zum Charakterdarsteller (u.a. in Twighlight Samurai) gereift, kann als Oishi schauspielerisch in dieser mit Mummenschanz, Love Story und Horror-film-Elementen zum Teenie-Entertainment aufgepeppten „47 Ronin“-Adaption überzeugen.
