Nichts zu verzollen

Nichts zu verzollen / Rien à Déclarer

| Ines Ingerle |

Dany Boon beweist abermals sein erstaunliches Talent als Regisseur und Schauspieler.

Ein kleiner Ort an der französisch-belgischen Grenze kurz vor Inkrafttreten des Schengener Abkommens und der damit einhergehenden Abschaffung der stationären Grenzkontrollen. Die Zollbeamten auf der französischen Seite – allen voran Mathias Ducatel (Dany Boon) – blicken der bevorstehenden Veränderung zwar mit Angst und Verunsicherung entgegen, wissen sich aber dagegen nicht recht zur Wehr zu setzen. So harren sie der Dinge, die da kommen mögen. Auf der belgischen Seite des Grenzbalkens hingegen herrschen Panik und Chaos, ausgelöst von dem rassistischen, frankophoben Zollbeamten Ruben Vandevoorde (Benoit Poelvoorde), für den die Öffnung der Grenzen in etwa gleichzusetzen ist mit dem Ende der Menschheit.

Als Ruben zum mobilen französisch-belgischen Patrouillendienst antreten muss, meldet sich Mathias – zum Erstaunen aller – freiwillig als dessen Partner. Er ist nämlich seit längerem heimlich mit Rubens Schwester Louise (die bezaubernde Neuentdeckung Julie Bernard) liiert und erhofft sich von der gemeinsamen Arbeit mit seinem belgischen Kollegen ein Umdenken Rubens und eine positive Wendung der vertrackten Situation.

Mit seinem Charme und seinen effektvollen Pointen ist Rien à déclarer ein würdiger Nachfolger von Boons Kassenschlager Willkommen bei den Schti’s. Mit seinem neuen Film zeigt Dany Boon abermals in Personalunion als Regisseur, Autor und Darsteller sein Können im Fachbereich Komödie. Heikle Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Patriotismus werden derart geschickt in die Geschichte eingearbeitet, dass diese – trotz der durchaus ernsten Botschaft – überaus komisch ist. Auf ironisch-witzige Weise verdeutlicht Dany Boon die Absurdität von Rassismus und Klischees und regt den Zuschauer unter all dem herzhaften Lachen auch zum Nachdenken an.

Sehr interessant ist der Symbolcharakter, den die Zollgrenzen und deren Aufhebung haben. Je näher der alles verändernde Tag rückt, desto mehr werden auch die emotionalen und gesellschaftlichen Grenzen und Barrieren der einzelnen Figuren deutlich. Während Ruben beispielsweise einfach nicht über seinen inneren Schatten springen und den Fremdenhass aus seiner Seele verbannen kann, versuchen Mathias und Louise verzweifelt, eine grenzüberschreitende Liebe zu finden.

Rien à déclarer ist ein herzerwärmender Film, der auf bezaubernd-komische Art die unglaubliche Komplexität von Grenzen und deren Überwindung behandelt.