Ex-Schlagzeuger Nick Mason und seine exquisite Live-Band unternehmen eine Zeitreise in die frühen Jahre des Pink-Floyd-Kosmos.
Viele Menschen kennen die Musik von Pink Floyd erst ab dem Album „Dark Side of the Moon“ (1973), und das ist auch kein Wunder, denn dessen populäre Songs („Money“, „Time“, Us and Them“) und die Alben danach (etwa „Wish You Were Here“ oder „The Wall“) sind ja nun wirklich allgemeines Kulturgut. Und die ewigen Streithähne David Gilmour und Roger Waters haben auf ihren späteren Solotouren alles dafür getan, dieses Kulturgut weiter zu verbreiten. Der einzige, der von der Gründung der Band 1965 bis zum endgültigen Crash 2015 immer dabei war, nämlich Schlagzeuer Nick Mason, hat sich nun für einen anderen Weg entschieden.
Gemeinsam mit formidablen Musikern wie dem Gitarristen und Sänger Gary Kemp (ja, der von Spandau Ballet) und Guy Pratt, der auch schon früher einmal bei Pink Floyd als Bassist dabei war, gründete er 2018 die Band Saucerful of Secrets, die seither nur und ausschließlich Floyd-Musik aus den frühen Jahren spielt, also bis 1972. Nach einem eher unauffälligen Beginn hat sich auch das inzwischen zu einem äußerst erfolgreichen Unternehmen entwickelt, das selbst abgebrühte Pink-Floyd-Fans begeistert. Der Grund liegt auf der Hand: Frisch und unverbraucht klingen die über 50 Jahre alten Stücke bei den fünf Musikern, wie sich auch anhand des im Mai 2019 im Londoner Roundhouse aufgenommenen Konzerts erweist – dort also, wo die Ur-Pink-Floyd schon 1966 aufgetreten waren.
Die Blu-ray (das Konzert erschien auch auf Doppel-CD + DVD) enthält sowohl die psychedelischen Highlights der frühen Phase (mit entsprechend spacigen Titeln wie „Interstellar Overdrive“, „Set the Controls for the Heart of the Sun“, „Let There Be More Light“ oder „Astronomy Domine“) also auch die vergleichsweise einfacher gestrickten radiotauglichen Hits, die Pink Floyd durchaus hatten, wie „Arnold Layne“ oder „See Emily Play“. Vieles von dem, was gespielt wird, stammt aus der Feder des allzu früh, nämlich schon 1968, ausgestiegenen Genies Syd Barrett, eine schöne Verbeugung vor dem 2006 verstorbenen Band-Mitbegründer.
Weder an der Song-Auswahl noch an der optischen Umsetzung, weder an der Lichtshow noch am Spiel der Musiker gibt es etwas auszusetzen – das einzige, was die Freude dann doch trübt, ist die Tatsache, dass irgendjemand beschlossen hat, keinen durchgehenden Konzertfilm zu machen. Stattdessen wird der Applaus des sichtlich erfreuten Publikums öfter ersetzt durch Interviewschnipsel und historische Pink-Floyd-Aufnahmen – alles schön und gut, aber das hätte man durchaus auch im Bonusmaterial unterbringen können. Zwar gibt es auch die Option, diese Zwischeneinlagen auszublenden, ein durchgehendes Konzert wird aber trotzdem nicht daraus. Auch die Anmerkungen und Anekdoten, die Nick Mason zwischen den Songs immer gerne einstreut, hat man komplett gestrichen. Seltsam, aber so ist es. Man kann sich, positiv gewendet, also ganz auf die Musik konzentrieren.
