Reporter des Satans, oder: Bad news are good news.
Lou Bloom ist ganz unten. Doch er will nach ganz oben. Zunächst versucht es der ehrgeizige Einzelgänger mit Diebstählen – wobei er auch vor Gewalt nicht zurückschreckt –, doch damit, so lehrt es ihn Google, werde er wohl keine große Karriere machen. Als er bei einem seiner Streifzüge durch das nächtliche L.A. Zeuge eines Autounfalls wird, ist er von der Tätigkeit des Videoreporters Joe Loder beeindruckt, der nur wenige Minuten nach dem Vorfall auftaucht, das Geschehen filmt und es noch in derselben Nacht weiterverkauft. Schnell hat Lou seinen Entschluss gefasst: Auch er will als „Nightcrawler“ sein Auskommen finden und die kalifornischen TV-Nachrichten mit sensationalistischem Material beliefern. Nina, Chefin eines Lokalsenders, zeigt sich von Lous Eifer und Skrupellosigkeit beeindruckt und nimmt ihm das Material, das immer extremer wird, ab.
Dan Gilroy wollte sichtlich Kritisches zum Thema Sensationsmedien beitragen, doch hat Nightcrawler nichts zu bieten, was Klassiker des Genres – Billy Wilders Ace in the Hole, Sidney Lumets Network, James L. Brooks’ Broadcast News – nicht schon vor Jahrzehnten besser und einfallsreicher dargestellt hätten. Gyllenhaal spielt den empathielosen Soziopathen Bloom mit ekelhaftem Grinsen als Mischung aus eiskaltem Misanthropen und gnadenlosem Kleinunternehmer, der sein gesammeltes Wissen aus dem Internet bezieht und damit auch nicht hinter dem Berg hält (somit könnte die Figur als entfernter, wenngleich böser Verwandter des fernsehsüchtigen Chance aus Hal Ashbys Meisterwerk Being There durchgehen). Das Problem ist jedoch, dass die Figur von Anfang an ausdefiniert ist und somit schnell langweilig wird. Daran können auch ein paar gelungene böse One-liner nichts ändern. Ständig sieht man Bloom an Tat- oder Unfallorten auftauchen, immer öfter Dinge manipulierend und Gesetze brechend. Doch nachdem nie Zweifel an Lous Skrupellosigkeit aufkommen, steigt, mancher Actionszene zum Trotz, weder die Spannung, noch macht die Figur eine Entwicklung durch.
Manche der Ereignisse fallen ihm, wenn es der Handlung konveniert, geradezu in den Schoß und dass er einen langjährigen Medienprofi wie Nina schnell unter Druck setzen und erpressen kann, wirkt unglaubwürdig. Der Subplot um den Mord an einer Familie bleibt ähnlich blass wie die Nebenfiguren. Nightcrawler kommt eher nach Mad City, einem der schwächeren Filme von Regielegende Costa-Gavras: Als Medien- und Kapitalismussatire zu zahm, als Thriller zu wenig aufregend. Immerhin hat Robert Elswits Kamera das nächtliche L.A. tadellos eingefangen.
