No

| David Krems |

Intelligente und visuell bemerkenswerte Arbeit über eine Fußnote der chilenischen (Medien-)Geschichte

Jede Revolution findet irgendwann ihren Weg ins Kino. So hat jeder lateinamerikanische Staat längst seine Filmografie des politischen Umsturzes. Im Regelfall ist das die Geschichte eines oder mehrerer Dissidenten, die sich – begleitet von amourösen Abenteuern – ihren Weg in eine bessere Zukunft ersingen oder erschreiben, in jedem Fall aber erkämpfen. Große Gefühle treffen auf rohe Gewalt. Demokratieverwöhnten Mitteleuropäern bleibt da bloß die Verachtung der eigenen Behaglichkeit. Ach, wäre man doch nur in einer Diktatur aufgewachsen, so viel abenteuerlicher wäre die Jugend, so viel leidenschaftlicher die erste Liebe gewesen. No ist ein gutes und seltenes Beispiel dafür, dass sich die Geschichte auch anders erzählen lässt.
Der Titel steht klarerweise für Nein. Nein zu einer Zukunft Chiles unter der Führung Pinochets. Einem solchen Referendum stellte sich der Diktator Ende der achtziger Jahre. Es gilt als bekannt, dass Chile mittlerweile keine Diktatur mehr ist, wie die Sache ausgeht, lässt sich also erahnen. Aber darum geht es im Grunde gar nicht. Vielmehr stützt sich der Film über weite Strecken auf seinen Protagonisten René (Gael García Bernal) und dessen für damals ungewöhnliche Methoden der politischen Öffentlichkeitsarbeit. Auf der Suche nach dem richtigen „Spin“ für die TV-Kampagne der Opposition stößt der im Ausland studierte Medienprofi alte wie junge Politaktivisten vor den Kopf. Vor allem deshalb, weil er sich beharrlich weigert, die Verbrechen des Regimes in der bis dahin gewohnten Weise anzuprangern. Mit negativen Inhalten gewinne man keine Abstimmung, so sein fester Glaube. Weil diese PR-Binsenweisheit damals aber noch keine solche war, bedarf die Überzeugungsarbeit in den eigenen Reihen nicht weniger Energie als die Beschäftigung mit dem politischen Gegner. An einem Nebenschauplatz kämpft René dann auch noch mit seiner gescheiterten Beziehung. Geschickt gelingt es der Inszenierung, diese unterschiedlichen Konflikte zu einer schlüssigen und spannenden Erzählung zusammenzuführen.
Geschuldet ist das nicht zuletzt auch der visuellen Strategie des Films: Mit der Entscheidung, die gesamte Arbeit in der für die damalige Zeit üblichen TV-Technik zu drehen, wurde eine dem Thema angemessene formale Entsprechung gefunden. Kein Retro-Make-up zum Selbstzweck, sondern ein mutiger technischer Kniff, der das Thema des Films auch visuell erfahrbar macht. Zahlreiche Preise haben diese Entscheidung mittlerweile bestätigt, für einen Oscar war es dann doch etwas zu gewagt.