Die jüngste Regie-Arbeit von Karl Markovics ist eine überraschend plastische Genre-Mixtur.
Die Lage ist trist im Kleingartenverein „Zukunft“ auf der Schmelz im 15. Wiener Bezirk. Jedenfalls für den Kleinhäusler Herrn Senft: Sein Hund, in Hundejahren sogar älter als er selbst – und er ist trotz seiner rüstigen Anmutung über neunzig Jahre alt –, ist gestorben. Die teure jüngste Vitamingabe hat nicht geholfen, die Tierärztin kriegt das durchs Telefon gebrüllt mitgeteilt. Eine Beisetzung will Herr Senft sich nicht leisten, also beschließt er, den Hund im eigenen Garten zu begraben.
An anderer Stelle der Stadt versucht derweil ein junger Afghane auf dem Arbeiterstrich sein Glück. Er humpelt; wie sich zeigen wird, wegen einer unversorgten Fleischwunde an der Sohle. Einen Job findet er dann zufällig im Garten bei Herrn Senft, dem das Hacken des verwurzelten Bodens zu beschwerlich wird. Für gerade einmal drei Euro pro Stunde nimmt der Flüchtling, auf dessen Arm Nobadi (die gesprochene Version des englischen „Nobody“) tätowiert ist, der aber gut deutsch spricht, also nun den Krampen zur Hand.
Beide Männer haben Lager-Erfahrung, wie sich bei einer holprigen Konversation in der Essenspause herausstellt. Dies wird zum Ausgangspunkt einer Odyssee zweier völlig konträrer Charaktere: eines Ewiggestrigen am sinnlosen Ende und eines Vertriebenen am legitimationslosen Neubeginn seines Lebens. Nach dem Ausheben der Grube bekommt Nobadi Fieber, seine Wunde wird schlimmer, mangels Papieren kann er nicht ins Spital, und so bringt Herr Senft ihn zu eingangs erwähnter Tierärztin.
Wer Atmen gesehen hat, den sehr schönen Debütfilm des hochgeschätzten Schauspieler-Regisseurs Markovics, und/oder den Zweitling Superwelt, wird kaum damit rechnen, auf welche Schlagseite der Film nun kippt. Weder ein bloßes Feelgood-Sozialdrama entfaltet sich, noch eine religiös verquaste Opfer-Täter-Variation, und deutlich mehr als eine Studie über wechselseitiges Vertrauen, Empathie und Vorurteil, Schuld und Vergebung. Natürlich ist Nobadi auch ein humanistischer Kommentar zur Flüchtlingskrise geworden, doch wie buchstäblich es hier ums Überleben geht, inszeniert Markovics in einer drastischeren Genre-Mixtur, als man das von einem Auteur wie ihm erwarten würde. Eine gewisse „Suspension of Disbelief“ aufrecht zu halten, wird mit Fortdauer der Handlung härter, so wie der Film selbst. Aber wer es schafft, wird mit einer anrührenden Klimax belohnt. „Nobadi turns the oddball couple genre on its head“, so die leicht irreführende Meinung eines Kritikers am Toronto Festival. Toll gespielt – von Heinz Trixner und Borhan Hassan Zadeh – ist das „odd couple“ allemal.
