Iran gegen Bahrain: Das Qualifikationsspiel für die Fußball-WM 2006 lässt niemanden kalt. Auch nicht die sechs jungen Iranerinnen, die das Spiel live miterleben wollen, wissend, dass Frauen der Zutritt in das Stadion strengstens untersagt ist.
Eine Stunde vor dem alles entscheidenden Kick: Von nah und fern strömen die Menschen ins Teheraner Stadion. Sie sitzen in überfüllten Bussen, ausgerüstet mit den Insignien echter Schlachtenbummler wie Schal, Käppi und überdimensionalen Flaggen in den Nationalfarben. Das bevorstehende Spiel entscheidet über Sieg oder Niederlage einer ganzen Nation.
Inmitten der lautstarken Fans sitzt ein schüchterner Junge, die Wangen in den Landesfarben geschminkt. Der zurückhaltende Jüngling ist ein verkleidetes Mädchen, das einiges zu riskieren bereit ist, um ebenfalls das Massenspektakel miterleben zu können: Der Kauf der überteuerten Eintrittskarte, das Vorbei-Schummeln an den Kontrollpunkten, die Leibesvisitationen; überall im Stadion wimmelt es von Soldaten, die auf Frauen Jagd machen. Es ist das Geschlecht, das den Frauen einen gewaltsamen Platzverweis beschert. Iranischen Frauen ist es untersagt, ein Fußballmatch zu besuchen, um sie – so der iranische Staat – vor männlichen Kraftausdrücken und frauenfeindlichen Sprüchen zu bewahren, denn „Männer sind keine Verwandten“.
Doch offenbar wollen immer mehr Frauen das identitätsstiftende Zusammengehörigkeitsgefühl der Fußballfans erleben – mitjubeln und ungestraft grölen und schimpfen zu dürfen – um sich solcherart für kurze Zeit aus ihrem engen Korsett der vorgegebenen Weiblichkeitsmuster zu befreien. Mit Hilfe fantasievoller Verkleidungen (Polizeiuniform oder Blindenstock) und ausgeklügelter Strategien werden die Schwellenhüter der öffentlichen (Schein-)Moral überdribbelt. Bei Auffliegen der Tarnung werden die weiblichen Fans festgenommen und der Sittenpolizei übergeben. Genau dieses Schicksal teilen die sechs jungen Protagonistinnen. Bis zum Eintreffen des Arrestantenwagens werden sie zwischen Absperrungsgittern eingepfercht und von jungen Soldaten streng bewacht. Nun entspinnen sich Gespräche zwischen den Frauen und den Soldaten – das Stadion wird zum Ort des Culture Clashs zwischen westlichen Werten und islamischer Kultur. In einer Art theatralischer „Mauerschau“ schildert ein Soldat in stümperhafter Weise den Fortgang des Spiels.
Jafar Panahi entwirft eine humorvolle Parabel über die Zusammenhänge von Sport, Sexualität, Medien und Staatsgewalt. Zu Recht wurde Offside mit dem Silbernen Bären der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet.
