Dokumentarfilm über den beruflichen Alltag österreichischer Musikerinnen
Mirjam Ungers (Vienna’s Lost Daughters) neuer Film profitiert zweifellos von ihrer beim Sender FM4 erworbenen Expertise des Musikbusiness. Die Zeit war auch reif für eine Bestandsaufnahme der im letzten Jahrzehnt stark gestiegenen Präsenz von charismatischen Frauen auf den heimischen Popbühnen. Die oft sehr nahe Kamera folgt im Laufe eines Jahres dem Alltag von Proben, Aufnahmesessions und Auftritten von vier öster-
reichischen Singer/Songwriterinnen. Gustav, Clara Luzia, Theresa Rotschopf und die Band Luise Pop geben einen Einblick in ihr musikalisches und persönliches Universum, das geprägt ist von ihrem Selbstverständnis als selbstbestimmte Künstlerinnen, die sich nicht nur in einem noch immer männlich dominierten Geschäft kreativ durchgesetzt haben, sondern auch als Produzentinnen und Labelbetreiberinnen ihre beruflichen Geschicke selber steuern. Dabei kommen auch die prekäre finanzielle Situation, krank machende Stressfaktoren oder die Schwierigkeit, Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen, zur Sprache.
Generell verlässt sich der Film aber mehr auf die Aussagekraft der Musik, die durchaus abwechslungsreich zwischen dem avancierten Elektrofolk von Gustav, dem zerbrechlichen klassischen Songwriting von Clara Luzia, dem Pathos-Dancefloor-Pop der Ex-Bunny-Lake-Sängerin Theresa Rotschopf und dem eigenwilligen Surfsound von Luise Pop changiert. Das Konzept, Interviewpassagen nur sehr spärlich einzusetzen und sich dadurch einer klassischen Fernsehdramaturgie und der üblichen Anekdotenerzählerei zu verweigern, ehrt zwar die Filmemacherin, bringt aber auch Probleme mit sich: Man würde gerne mehr über die interessanten Protagonistinnen erfahren, der Film ist aber zu sehr in seine stilsicher fotografierten und vor allem brillant montierten Alltagsszenen verliebt. Es werden zwar viele Themen angeschnitten, aber bis auf einige Schlagworte erfährt man weder etwas Neues über die Hintergründe des Popbusiness noch über die Charaktere der Frauen selbst. So bleiben letzten Endes doch die kurzen Szenen im Gedächtnis, in denen die Figuren entweder aus sich herausgehen oder etwas von ihrem Innenleben bzw. ihrer Vergangenheit preisgeben (Clara Luzia in ihrem Heimatdorf).
Vielleicht hätte die Regisseurin auf zumindest eine der Musikerinnen verzichten sollen, um bei den anderen mehr in die Tiefe gehen zu können, aber auch so bietet diese Hommage an die Kreativität und die Bühnenpräsenz von vier starken Persönlichkeiten eine durchaus kurzweilige musikalische Kinoreise.
