Wild plätscherndes Roadmovie mit viel Wenn und Aber.
Ein junges Paar ist „out of sync“. Das einzig definierte Ziel ihrer Road-Trips scheint es, diesen Umstand zu beheben und einander wieder näher, miteinander wieder in Einklang zu kommen. Das Allegorische fällt mit der Tür ins Haus, Insekten und allerlei Kleingetier in tiefenscharfen Close-ups bilden oft den farbenfrohen Hintergrund. Schließlich ist es eine ebenso gewöhnliche Kreatur wie winzige Sechsbeiner und einander wie Katz und Maus neckende intellektuelle Spät-Millennials, die letztere in einem ihrer vielen Momente der Unachtsamkeit totfahren, nämlich die Hündin eines grimmigen Menschen-Männchens. Während die Makro-Shots von Fauna und Flora mit den beiden Hauptfiguren nie direkt in Bezug gesetzt werden, ist es der verbitterte frischgebackene Hunde-Witwer, der als Verfolger ein unsichtbares Auge auf die beiden wirft, sodass es nie klar ist, ob die Halbtotalen, die Planschen im Bach oder Geschlechtsverkehr im offenen Kofferraum beobachten, einer unbestimmten Erzählperspektive oder doch dem prüfenden Blick des Rachsüchtigen entspringen. So wie ebenfalls nicht abzuschätzen ist, ob sich ein finales Stelldichein mit dem Herrchen des Opfers auch wirklich einstellen wird.
Erfolgreiche Unvorhersehbarkeit zu erreichen, ist kein leichtes Stück Arbeit, Zwar gelingt das Thomas Marschall in seinem ersten Spielfilm ziemlich lässig, jedoch auf Kosten von ein bisschen gar viel Spielerlei und Drifts in neo-expressionistische Experimente, die sich deutlich spürbar selbst gefallen. Ob die Kunst, eineinhalb ziemlich unerträglichen Menschen – die Partnerin der larmoyanten männlichen Macho-Kreativseele lässt sich im Grunde nur manchmal auf deren Niveau ein, während sie sich über die eigene Oberhand im Klaren ist – eineinviertel Stunden zu widmen, eine notwendige ist, sei dahingestellt, das Ungewöhnliche kann man Ordinary Creatures gleichwohl nicht absprechen. Sind die Dialoge auch oft überraschend nah an echten Charakteren der wohlstandsgelangweilten Fraktion westlicher Gesellschaften, wie sie philosophieren, sich streiten, liebkosen und sich wichtig finden, weist das Buch insgesamt doch eine Menge Luftlöcher auf, die davon nicht zufriedenstellend gefüllt werden. Zufrieden machen will dieses Kino aber sicher auch niemanden. Eher schon vielleicht sich in die Strömung neuer Seltsamkeit des amerikanischen, aber auch europäischen Indie-Films einzureihen. Wenn auch die Subversion – tatsächlich wieder auf einer Kinoleinwand – an ihre Grenzen stößt: Ziel durchaus erreicht.
