„Kino wie damals“ ist das Motto des Cinematograph Kinos, das Filme zeigt, die zwischen 1895 und etwa 1950 gedreht wurden. Noch älter als das Medium Film ist der eingeschoßige Steinbau an der Linzer Donaulände, in dem das Kino untergebracht ist. Er stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente zunächst als Siechenhaus des Stiftes Wilhering. Nachdem das Haus im 19. Jahrhundert in Privatbesitz übergegangen war, erfuhr es stetige Renovierungen. 1992 verwirklichte der aktuelle Besitzer, Georg Kügler, hier seine Leidenschaft: ein Lichtspielhaus nach dem Vorbild klassischer Kintopps. Auf dem Programm stehen dabei jene Filme, die man auch heute noch mit Spannung sehen könne – denn nur weil etwas alt sei, bedeute das nicht automatisch, dass es auch gut sei, so Kügler. Neben Klassikern aus der Frühzeit des Kinos schätzt der studierte Kunsthistoriker (Markenzeichen: weißes Hemd und Fliege) besonders den surrealistischen Film. Vor den Vorführungen gibt es informative Einführungen durch den Hausherrn, der auch mit einer großen Sammlung historischer Filmbroschüren aufwarten kann.
Als Publikumshits erweisen sich regelmäßige Schwerpunkte zum komischen Film mit Akteuren wie Karl Valentin, Buster Keaton, Laurel und Hardy oder Hans Moser, zu Stummfilmen gibt es regelmäßig Live-Musik. Stilgerecht ist die Bestuhlung des von Kinohund Axel überwachten Kinosaals: Die Sessel stammen aus dem Jahr 1912. Ebenfalls historisch sind die kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gefertigten Tonfilmprojektionsapparate. Im angeschlossenen Kaffeehaus, das von Frau Traude geführt und von Caféhund Attila bewacht wird, kann man bei einer Melange den Diskussionen des Stammpublikums über Filme wie Max Ophüls’ Liebelei (1933) oder Willi Forsts Maskerade (1934) lauschen. Sonntags lädt der Cinematograph zum Filmfrühstück.
Eine Pause macht das einzige österreichische Kino seiner Art außerhalb Wiens übrigens immer im Sommer, wenn Georg Kügler einer anderen Leidenschaft nachgeht: als Lokführer auf einer historischen Dampflokomotive.

Orte des Kinos – Cinematograph Kino, Linz
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