Es gilt als „Birthplace of British Cinema“: das 119 Jahre alte Kino in der Londoner Regent Street. Anfang Mai öffnete das Regent Street Cinema nach 35 Jahren Dornröschen-Dasein erneut seine Türen für die Öffentlichkeit. Hier, im Herzen von Londons West End, präsentierten die Brüder Lumière, die Erfinder des Cinematographen, am 21. Februar 1896 die ersten „moving pictures“ vor einem zahlenden britischen Publikum. Zudem befand sich hier auch der Sitz des ersten englischen Fotostudios, wo sich kulturelle Größen wie der Literat Charles Dickens porträtieren ließen. Weiters zeigte das Regent Street Cinema 1951 den ersten „X-rated“, also nicht jugendfreien Film, La Vie commence demain (internationaler Titel: Life Begins Tomorrow), in dem Legenden wie Pablo Picasso, André Gide, Jean-Paul Sartre oder Le Corbusier auftraten.
Das mit 187 Sitzplätzen ausgestattete Lichtspielhaus, das zur University of Westminster gehört, wurde 1980 geschlossen und als Auditorium für Studenten genutzt. Im Jahr 2012 startete die Universität eine großangelegte Spendenkampagne zur Revitalisierung des Kinos, die tatsächlich das gesetzte Ziel von 6,1 Millionen Pfund erreichen konnte. In den letzten drei Jahren wurde der historische Ort vom Londoner Architekturbüro Tim Ronalds Architects im Stil des Art déco renoviert, vor wenigen Wochen feierte man die Wiedereröffnung. Das Regent Street Cinema ist das einzige Kino im Vereinigten Königreich, das in der Lage ist, alle Filmformate abzuspielen – von 16mm und 35mm über Super-8-Film bis hin zur neuesten Technologie mit 4K-Digitalfilm.
„Die Programmierung des Regent Street Cinema wird neben ausgewähltem britischen und Weltkino auch Retrospektiven, Klassiker des Dokumentarfilms, Arthouse, Animation und experimentelle Arbeiten umfassen. Zudem wird es Veranstaltungen der Filmindustrie, Masterclasses, Premieren, sowie Festivals im Jahres- und Zweijahresrhythmus geben“, sagt Shira MacLeod, die Leiterin des Regent Street Cinema.
