Eric-Emmanuel Schmitts Romanverfilmung behandelt ein tieftrauriges Tabuthema – und verbreitet dennoch Lebensmut.
Es heißt, Kinder könnten mit der Aussicht, bald sterben zu müssen, oft angstfreier und gelassener umgehen als Erwachsene. So geschieht es dem zehnjährigen Oskar in Eric-Emmanuel Schmitts Roman „Oscar et la dame rose“, den der Schriftsteller unter dem gleichen Titel selbst verfilmt hat: Der unheilbar an Leukämie erkrankte Junge (beeindruckend gespielt von Amir Ben Abdelmoumen) leidet mehr unter der Abwesenheit seiner verzweifelten Eltern und dem vermeintlich rücksichtsvollen Schweigen der Ärzte und Schwestern als unter seiner Krankheit selbst. Nur eine recht unfreundliche Dame in einem rosa Kostüm, mit der er auf dem Gang des Krankenhauses zusammenstößt, behandelt ihn wie ein normales Kind und nennt die Dinge beim Namen. Oskar möchte Rose (Michèle Laroque) unbedingt wiedersehen, und bald entwickelt sich zwischen den beiden eine innige Freundschaft voll ehrlicher Gespräche, phantastischer Reisen in einen magischen Wrestling-Ring und Briefe an Gott.
Oscar et la dame rose trägt sein Publikum in eine kompakt um die Hauptfiguren gestrickte Filmwelt hinein, die von märchenhaften Elementen durchdrungen ist: Neben entzückend gemachten Phantasie- und Traumsequenzen scheinen nämlich auch Raum, Zeit und Kostüme wie verzaubert, wenn in einer an die Dreißiger Jahre erinnernden Atmosphäre altertümelnde Krankenschwesternuniformen auf CDs und Handys treffen und Zeitraffer und Zeitlupe immer wieder die berühmte vierte Wand durchbrechen. Gleichzeitig verliert Schmitts Werk jedoch niemals die Verbindung zur Realität und setzt sich – mal ernst und philosophisch angehaucht, mal humorvoll – mit den Themen Leben und Sterben auseinander.
Wenn auch manche Szene in ihrer Betonung der im Laufe des Films zunehmenden Traurigkeit übertrieben dick aufgetragen und manche Dialogzeile einem Zehnjährigen allzu sehr aus einer erwachsenen Sichtweise in den Mund gelegt zu sein wirkt, erreicht Oscar et la dame rose doch auf eine überwiegend authentische und gleichzeitig wunderbar phantastische, sehr ergreifende Weise, was man von einem Film mit einem sterbenden Kind und einer vom Leben verhärteten Frau als Hauptfiguren nicht erwarten würde: Den Wert und die Schönheit des Daseins zu betonen, indem die Wichtigkeit des Wünschens und des Strebens nach der Erfüllung dieser Wünsche trotz der Anwesenheit von Krankheit und Tod im menschlichen Leben in den Mittelpunkt gerückt wird. Eric-Emmanuel Schmitts Werk wird so zu einem jener Filme, aus denen man anders hinausgeht, als man hineingegangen ist.
