Otto Lechner film

Filmstart

Otto Lechner – Der Musikant

| Ania Gleich |
Eine Hommage an Österreichs größten Akkordeon-Virtuosen

Vierz’g Leit im Nebel, und nix ist passiert …“ brummt es repetitiv, während sich der Musiker und Quetschen-Experte Otto Lechner dabei selbst zu einem Blues auf dem Klavier begleitet. Wem dieser nicht wegdenkbare Teil österreichischer Musikgeschichte bisher verborgen geblieben ist, der darf in Bernhard Pötschers Dokumentarfilm tief in die musikalische und menschliche Welt der österreichischen Akkordeon-Legende eintauchen. Ob gemeinsam mit dem Akkordeonisten Arnaud Méthivier in Frankreich oder mit seiner Partnerin Anne Bennent zu Karel Gott: Otto Lechners musikalisches Metier eröffnet weit mehr Klangwelten, als man aus knapp fünfundvierzig Tasten und fast doppelt so vielen Knöpfen erwarten kann. Dabei sollte sein Wohlfühlinstrument keinesfalls unterschätzt werden: Wer nämlich geglaubt hat, eine Ziehharmonika gebe nicht viel her, wird in diesem Film eines Besseren belehrt. Lechner selbst sagt dazu: Das Akkordeon hat mindestens genauso viel Kultur geschaffen, wie sie zerstört hat. Vielleicht ist es genau dieses Nicht-Zurückschrecken vor der Ambivalenz, das den Komponisten und Musiker so auszeichnet.

Nachdem Otto Lechner als Teenager vollkommen erblindete, wurde sein Weltbild von einer unerschütterlichen Trittfestigkeit geprägt, die man bei vielen anderen Künstlern vermissen mag. Egal, ob in seinem Elternhaus im Dunkelsteiner Wald bei Melk oder auf einer riesigen Schaukel, auf der er mit dem Akkordeon zwischen den Bäumen schwingt: Was die Lebensphilosophie des österreichischen Musikers ausmacht, ist eine tiefe menschliche Bewegtheit und ein Humor, der sich in all seiner Ironie auch in seinen Texten zeigt. Wenig verwunderlich ist deshalb auch die enge geistige Verbindung zu seinem Idol Franz Kafka, dessen Texte er regelmäßig in seinen Auftritten rezitiert. Seine Stimme, sein Spiel und seine Poesie fließen ineinander, sodass Musik und Erzählung untrennbar miteinander verwoben sind.

Pötscher schafft mit Otto Lechner – Der Musikant ein berührendes Porträt, das den Künstler einerseits durch die Musik, aber viel mehr noch durch seine unerschöpfliche Neugier auf die Welt betrachtet. Zwischen langen Konzertaufnahmen, die aber nie langwierig werden, und philosophischen Zugfahrten erscheint dabei ein Otto Lechner, wie man ihn bisher vielleicht noch nicht gekannt hat: einfühlsam, schalkhaft, inspirierend.