Ouaga Saga

| Verena Teissl |

Mit einer in der Hauptstadt Burkina Fasos angesiedelten Komödie versucht Dani Kouyaté witzig und sozialkritisch zugleich zu sein – beides gelingt nur bedingt.

Eine Gruppe Jugendlicher kommt durch einen aus Übermut begangenen Motorradraub zu Geld – und scheint es auch rasch wieder zu verlieren. Das Geld und seine Bedeutung werden ebenso heiter und schematisch dargestellt, wie auch die fünf Burschen in etwas exemplarischer Charakterentwicklung durch das reiche und arme Ouagadougou führen: Der vorwitzige Jüngste mit seinen altklugen Sprüchen, der von der Fußballkarriere träumende „Pelé“ oder der Westernliebhaber „Sheriff“. Frauen tauchen als dicke, autoritäre und sitzen gelassene Mütter und hübsche Schwestern auf und haben in diesem Stadtporträt eine sehr geringe Rolle, was wohl eine gesellschaftliche Realität widerspiegeln mag, aber nur am Rande reflektiert wird. Ouagadougou, die Hauptstadt Burkina Fasos, die Thomas Sankara während seiner Präsidentschaft von 1983–1987  zur wichtigsten Filmmetropole Westafrikas gemacht hat, zeigt sich mit dem Charme einer bunten, staubigen und von manuellem Gewerbe beherrschten Stadt, entkommt also seinem in Europa geläufigen Klischee nicht. Arbeitslosigkeit, polizeiliche Willkür und Rassismus werden en passant angesprochen, was effektvoll sein könnte, wären die Witze und Situationskomiken darüber tiefgründig anstatt versöhnlich. Weit entfernt von der erfrischenden Unverschämtheit kubanischer Komödien, die für das Unterfangen dieser sozialkritischen Komödie ebenso Modell sein könnte wie das geradlinig, beißende Kino Ousmane Sembènes, beherrscht Kouayté die hohe Kunst der charmanten Grenzüberschreitungen nicht.

Gemeinsam mit Idrissa Ouédraogo, S. Pierre Yaméogo, Gaston Kaboré und Fanta Régina Nacro vertritt Dani Kouyaté das junge Filmschaffen aus Burkina Faso bzw. Ouagadougou, wo seit 1969 alle zwei Jahre das wichtigste panafrikanische Filmfestival Fespaco stattfindet. Trotz dieser Wurzeln sind die afrikanischen Filmemacher mit dem Koproduktionskonzept der Frankophonie sowie einer nach wie vor schlecht verankerten Vertriebsstruktur in afrikanischen Ländern konfrontiert, wo hauptsächlich Filme aus Bollywood die Leinwände dominieren. Ein Film wie Ouaga Saga bleibt insofern einem zweifachen Dilemma verhaftet: Er wird in afrikanischen Ländern weitgehend unsichtbar und vor der europäischen Erwartungshaltung ein Stück verspieltes, sehr leicht verdauliches Frühabendkino bleiben, ein bisschen wie ein Touristenurlaub mit  afrikanischen Klängen, der Entspannungseffekt setzt rasch ein, bleibt aber ohne Langzeitwirkung.