Porträt der außergewöhnlichen Grande Dame der modernen Kunst
Bereits 2012 setzte Regisseurin Lisa Immordino Vreeland der Großmutter ihres Ehemannes, einer starken Frau und Kunstliebhaberin, mit Diana Vreeland –The Eye Has to Travel ein wunderschönes Porträt. Nach dem Blick auf die Welt der Mode und das Schaffen der Designerin, Kolumnistin und Kritikerin, widmet sich die Regisseurin nun einer weiteren schillernden Figur der Kunstavantgarde des 20. Jahrhunderts: Peggy Guggenheim. Das schwarze Schaf der reichen und exzentrischen Familie Seligman-Guggenheim war schon von frühester Jugend an eine Rebellin. Als junge Frau ging sie nach Paris, wo sie ihren ersten Ehemann Laurence Vail heiratete und die beiden Kinder Sindbad und Pegeen zur Welt brachte. Die Ehe war von Brutalität gezeichnet, sie ließ sich bald scheiden und ging ihrer Liebe zu moderner Kunst und modernen Künstlern nach. Dadaismus, Surrealismus, Kubismus, sie war fasziniert von der neuen Art der Wahrnehmung und hatte zahlreiche Affären mit Künstlern wir Samuel Beckett oder Constantin Brancusi. Ihr promiskuitiver Lebensstil, für den ihre männlichen Liebhaber weit weniger gescholten wurden, überschattete lange Zeit ihr Wirken. Dabei war sie zu einem großen Teil für die Entdeckung Jackson Pollocks verantwortlich, verband in ihrer New Yorker Galerie „Art of this Century“ als Erste die europäische mit der US-amerikanischen Moderne und präsentierte als Erste ein Ausstellung ausschließlich mit modernen Werken von Frauen.
Vreeland hat für die Erzählung von Guggenheims Geschichte, Ausschnitte aus deren letztem Interview mit ihrer Biographin Jacqueline Bograd Weld ausgewählt, Peggy Guggenheims Leben in mehrere Abschnitte unterteilt und mit Interviews, Bildern sowie Film- und Tonmaterial aus der jeweiligen Zeit untermalt. Die Dokumentation wird recht klassisch erzählt, hat aber doch etwas Wildes und Aufgeregtes und fängt somit perfekt das Wesen und die Ausstrahlung dieser interessanten Frau ein. Peggy Guggenheim kämpfte stets mit ihrem Äußeren, war keine große Schönheit, wurde von vielen ausgenutzt ohne es zu merken, weil sie ein grundehrlicher Mensch war, aber sie strahlte Sinnlichkeit, Leidenschaft für die Kunst und das Leben aus. Sie ging nicht neue Wege, sie schuf sie. Diese Vorreiterrolle und Außergewöhnlichkeit fängt die Biographie sehr gut ein und gibt ein spannendes, rasantes Porträt einer Frau, die ihr Leben der Erschaffung einer der wertvollsten Sammlungen moderner Kunst der Welt widmete.
