Filmkritik

Plötzlich Papa! / Demain tout commence

| Günter Pscheider |
Komödie um die Eltern-Kind –Beziehung mit Tiefgang

Der Anfang lässt nicht unbedingt auf Originalität schließen: Omar Sy, seit Intouchables (Ziemlich beste Freunde), einer der neuen Stars des französischen Kinos, gibt wieder den charmanten ewigen Jungen, der als Skipper von Luxusjachten an der Cote d´Azur Verantwortung scheut wie der Teufel das Weihwasser, keine Bindungen eingeht und lieber jeden Tag eine neue Flamme abschleppt. Schon nach zehn Filmminuten taucht eine Eroberung des letzten Sommers bei Samuel auf, drückt ihm ein Baby in die Hand und verschwindet spurlos aus dem Leben der beiden. Regisseur Hugo Gélin zeigt jetzt aber nicht den erwarteten Prozess des Akzeptierens des Unausweichlichen mit jeder Menge Babywitzen, sondern verlagert die Handlung nach London in die Heimat der Mutter, wo Samuel und Tochter gleich bei ihrer Ankunft das Herz eines schwulen Filmproduzenten gewinnen, der sie bei sich aufnimmt und Samuel einen Job als Stuntman anbietet. Nach einem Zeitsprung geht die entzückende Gloria (Gloria Colston) in die Schule, Samuel ist zum alleinerziehenden Übervater gereift, der es nicht übers Herz bringt, Gloria zu erzählen, dass ihre Mutter sie einfach im Stich gelassen hat. Da präsentiert er ihr schon lieber fingierte Mails und Facebook-Nachrichten, wo er ihre Abwesenheit damit erklärt, dass sie als Agentin in geheimer Mission um die ganze Welt reist. Noch ist der Ton leicht, aber dann tritt Glorias Mutter überraschend wieder in das wohlgeordnete Leben der beiden und fordert ihre Tochter zurück. Jetzt wird die Komödie zum veritablen Drama, denn natürlich will Samuel Gloria nicht aufgeben und die ganze unerfreuliche Sache geht vor Gericht, bevor zwei durchaus gelungene Plottwists später die Geschichte ein doch sehr überraschendes Ende findet.

Hugo Gélin macht sich auf amüsante Weise Gedanken darüber, was Elternschaft konstituiert, die genetische Abstammung oder die Zeit, die man mit einem Kind verbringt. Der Charme der beiden Hauptdarsteller – wobei Omar Sy mühelos den Spagat zwischen Komik und Tragik beherrscht und die kleine Gloria Colston einfach durch ihre Präsenz bezaubert – lässt einen auch über manch unglaubwürdige Situation und Auslassung – die Motive der Mutter für ihre Flucht werden etwa nie erklärt – hinwegsehen. Samuels Intention, seiner Tochter eine Traumwelt inklusive einer Unmenge von Spielsachen vorzugaukeln, ist zwar sympathisch, kann Gloria aber auch nicht vor der oft bitteren Realität bewahren. Die etwas banale aber wahre Botschaft des Films lautet, dass man jede Stunde mit seinen Kindern nützen sollte, weil man nie wissen kann, ob es nicht die letzte gewesen sein wird.