Ponyo – Das große Abenteuer am Meer

Filmkritik

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer

| Alexandra Seitz |

Von einer alle Schranken überwindenden Kraft. Natürlich, ein Märchen.

In seiner überbordenden Fröhlichkeit und Krachbuntheit erinnert Gake no ue no Ponyo mitunter an die beiden je halbstündigen Panda-Kopanda-Filme aus den Jahren 1972/73, an denen Miyazaki Hayao als Drehbuchautor und Key Animator beteiligt war. (Regie führte sein späterer Studio Ghibli-Kompagnon Isao Takahata.) In diesen auch für die Allerkleinsten geeigneten Gute-Laune-Bomben freundet sich ein kleines Mädchen mit zwei Pandas an, einem sehr großen und einem eher winzigen, und probt mit beiden kurzerhand das Familienleben.

Nun sind Begegnungen zwischen Lebensformen und Wesenheiten der allerunterschiedlichsten Art keine Seltenheit in einem Miyazaki-Film, nicht immer aber verlaufen diese Begegnungen dann so selbstverständlich harmonisch wie die zwischen dem Mädchen und den Pandas beziehungsweise dem fünfjährigen Sosuke und der Fischprinzessin, die seinetwillen zum Menschenmädchen Ponyo wird. Allerdings bringt das Fischmädchen mit seinem starrsinnigen Beharren auf Sosuke ein fragiles kosmisches Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht und riskiert damit den Weltuntergang. Der wird dann aber gerade noch rechtzeitig und dank der Zusammenarbeit aller zu Lande und zu Wasser Beteiligten abgewendet, so dass am Ende eine Sandkastenliebe ihren Ausgang nehmen kann und alle glücklich sind.

Mitleidig hat sich der Märchenerfinder Miyazaki der armen kleinen Seejungfrau des Märchenerfinders Hans Christian Andersen angenommen und ihr das von diesem 1837 zugedachte traurige Schicksal, sich, vom Prinzen verschmäht, in Meerschaum verwandeln zu müssen, erspart. Unter anderem. Denn freilich ist die unschuldige Kinderliebe, von der Ponyo so mitreißend erzählt, gut einige Jahre entfernt vom romantisch-unerfüllten Sehnen, das Andersen verzichtsideologisch gestaltete.

Nach dem sehr komplexen Hauru no ugoku shiro habe er einmal wieder einen Film für kleinere Kinder machen wollen, sagt Miyazaki. Tatsächlich ist Ponyo im Vergleich geradezu simpel: geradlinig, optimistisch, bunt und niedlich. Prallvoll mit wunderlichen Details und schillernd schön wie ein ganzes Korallenriff. Und wenn Ponyo zu Joe Hisaishis Variation des Walkürenritts auf den Wellen, die zugleich Fische sind, in Richtung Ufer läuft, wo gerade Sosuke mit seiner gefährlich flott Auto fahrenden Mutter unterwegs ist – wenn sie vor Begeisterung schier platzt und die Leinwand zu bersten scheint vor Bewegungsdrang und Transformationsenergie, dann treibt es einem Glückstränen in die Augen. Mal wieder.