Eva Green macht sich zur Eroberung des Weltraums auf
Dass Sarah Loreau (Eva Green) sich mit Herz und Seele der Weltraumforschung verschrieben hat, lässt sich leicht an einem Detail ausmachen: Ihre Katze heißt Laika, benannt nach der kleinen Hündin, die als erstes Lebewesen 1957 in den Weltraum befördert wurde (das Schicksal der unfreiwilligen Pionierin Laika wird übrigens in Space Dogs thematisiert). Als Sarah erfährt, dass sie zu jener Mannschaft gehört, die alsbald zu einer einjährigen Mission ins All aufbrechen soll, ist sie der die Erfüllung ihres Lebenstraums und –ziels, nämlich den Mars zu betreten, ein entscheidendes Stück näher gekommen.
Doch bevor die internationale Crew startet, muss Sarah ein Vorbereitungsprogramm – das den Löwenanteil des Plots einnimmt – in Star City, dem nahe Moskau gelegenen Trainingszentrum, absolvieren. Und neben der beinharten Ausbildung, die Sarah physisch und psychisch alles abverlangt, hat die Astronautin auch Probleme allzu irdischer Art: Als alleinerziehende Mutter muss sie ihrer kleinen Tochter nicht nur die Notwendigkeit, für die Dauer ihrer Abwesenheit zum Vater übersiedeln zu müssen, erklären, auch die bevorstehende lange Trennung von ihrem Kind macht Sarah zusehends zu schaffen – Ablenkungen, die sie sich angesichts ihrer Aufgabe eigentlich nicht leisten kann.
Alice Winocours Inszenierung unterläuft konsequent heldenepische und schnittig-futuristische Konzepte, die bei derartigen Sujets oft zum Zug kommen. Der Fokus richtet sich vielmehr auf die Anstrengungen und Entbehrungen, die bereits im Verlauf der Vorbereitung gemacht und auf sich genommen werden müssen, ehe die Eroberung des Alls ansteht. Proxima erscheint dabei streckenweise wie die betont unglamouröse Version von Philipp Kaufmanns The Right Stuff (1983), der die Anfänge des US-Raumfahrtprogramms mit einer Mischung aus Huldigung, ehrlicher Bewunderung und kritischer Distanz beleuchtet. Winocour hebt dabei die Hinwendung an eine Aufgabe, die Leidenschaft, mit der man ein Ziel verfolgt und dem (beinahe) alles unterordnet, hervor.
Dass dies anhand der Protagonistin Sarah gut nachvollziehbar wird, ist vor allem der wie gewohnt großartig und souverän agierenden Eva Green geschuldet. Seit ihrem Debüt als Repräsentantin der 68-er-Generation in Bertoluccis The Dreamers (2003) hat Green wiederholt ihre darstellerische Vielfältigkeit und Intensität unter Beweis gestellt, die Bandbreite reicht von einem charismatischen Auftritt in der James-Bond-Verfilmung Casino Royale bis hin zur kongenialen Verkörperung von Charakteren in diversen phantastischen Universen Tim Burtons. Green versteht es auch in Proxima, die unterschiedlichen Seiten ihrer Figur als harte, zähe Astronautin und liebevolle Mutter fernab von Klischees darzulegen und der Geschichte – die mancherorts ein wenig zu didaktisch verläuft – die notwendige Glaubwürdigkeit zu verleihen.
