Ein einfühlsamer Film über das Erwachsenwerden, die erste Liebe und die Verwirrungen und Herausforderungen, die damit einhergehen.
Marius ist ein Musterschüler, die bevorstehende Matura hat er quasi in der Tasche, denn bei seinen Noten kann nichts schiefgehen. Seine Eltern vergöttern ihn und loben an dem Sohn alles, was er tut. Ihm ist das sichtlich unangenehm. Marius ist ruhig, zurückhaltend, wirkt unsicher. Er redet wenig, schon gar nicht über Gefühle. So versucht er über Umwege, seiner angebeteten Klassenkollegin Lea näherzukommen, indem er vorschlägt, Lern-Teams zu bilden.
Der Plan geht allerdings nach hinten los, denn der Klassenvorstand bittet ihn, sich mit Frida zusammen zu schließen, die neu in der Klasse ist. Frida bildet die Antithese des braven, gut erzogenen Jungen: Sie gilt als verhaltensauffällig, ist wild, unberechenbar, unkonventionell. In der Eröffnungsszene des Films spaziert sie auf dem vereisten Schuldach herum und sorgt so für gehörige Aufregung. Wir erfahren, dass sie kurz zuvor versucht hat, sich das Leben zu nehmen.
Marius ist wenig begeistert von der Idee, gibt sich jedoch Mühe, zu der ungewöhnlichen Frida durchzudringen. Alsbald findet er sich in einem reißenden Meer von intensiven Gefühlen wieder, das alles auf den Kopf stellt. Mit Frida erfährt Marius einen bisher ungelebten Anteil seiner selbst, spürt und atmet die Energie des Impulsiven und Ungezähmten. Gleichzeitig sieht er sich gefangen in Konventionen und Erwartungshaltungen und versucht, dem Bild, das andere und er selbst von sich haben, gerecht zu werden.
Zugegeben, der Stoff ist kein neuer: Braver Junge und wildes Mädchen verlieben sich und lösen damit allerhand Tumult aus – sowohl in sich selbst als auch im Außen. Martin Lund arbeitet jedoch nicht Klischees ab, sondern erzählt eine einfühlsame Geschichte über die Schwierigkeiten junger Erwachsener und über die verschiedenen Ebenen, auf denen sie sich zurechtfinden müssen. Die beiden Hauptdarsteller schaffen es, das Innenleben ihrer Charaktere für den Zuschauer spürbar zu machen und nehmen ihn so ein Stück weit auf ihre emotionale Reise mit. Somit ist Psychobitch nicht nur ein Film über und für junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, sondern auch für alle, die diese Generation besser begreifen wollen.
