Ein umfangreicher Bildband vermisst das filmische Werk Rainer Werner Fassbinders in 1414 Abbildungen.
„The light that burns twice as bright burns half as long“, heißt es in Ridley Scotts Blade Runner (1982). Dass der Film im Todesjahr Rainer Werner Fassbinders in die Kinos kam, war natürlich Zufall, doch könnte man den Satz ohne weiteres auf das deutsche Genie umlegen, das mit nur 37 Jahren an einem Herzstillstand (ausgelöst wahrscheinlich durch einen Mix aus Überarbeitung und Drogen) verstarb. 44 Filme in nur 37 Lebensjahren – Fassbinders Licht brannte in der Tat besonders hell. Ein dermaßen enormes Arbeitspensum war wohl nicht ohne jene Grundeinstellung zu erbringen, die Fassbinder selbst so auf den Punkt brachte: „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“
Es nimmt daher nicht Wunder, dass sich das bei Schirmer/Mosel erschienene Buch „R. W. Fassbinder. Die Filme 1966–1982“ mit 328 Seiten sehr umfangreich gestaltet. Es ist ein Bilderbuch im besten Sinn, das Fassbinders filmisches Werk überaus plastisch veranschaulicht – ein Werk, das sich radikal mit der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzte, durch die Behandlung von Themen wie Sexualität, Fremdenhass, Spießbürgertum und Verlorenheit aber universell verständlich war und ist. Es ist ein Buch der Gesichter, der Blicke, der Gesten: Sämtliche Stammschauspieler Fassbinders sind hier versammelt, darunter Hanna Schygulla, Ingrid Caven, Eddie Constantine, Klaus Löwitsch oder Günther Kaufmann, um nur einige wenige zu nennen. Und immer wieder sieht man Fassbinder selbst, sei es als Schauspieler vor der Kamera stehend, sei es Regieanweisungen gebend. Der Stil des Filmemachers, seine antinaturalistische Schauspielführung, die teils bewusst künstlich gehaltenen Sets, aber auch die Straßenszenen des Frühwerks, in denen Nachkriegsmief auf Wirtschaftswunder trifft: All dies findet sich hier gebündelt.
Jede Seite ist voller Emotionen: Grausamkeit (Martha, 1973) und Frustration (Katzelmacher, 1969) finden sich ebenso wie Momente des Trostes (Götter der Pest, 1969) und der Liebe (Angst essen Seele auf, 1974). Angesichts des Gesamteindrucks ist es verkraftbar, dass manche der Bilder nicht über die höchste Qualität verfügen – bei einigen Werken, etwa Wildwechsel (1972), stand aufgrund der rechtlichen Lage nur relativ schlechtes Material zur Verfügung, bei anderen Gelegenheiten werden Screenshots herangezogen, um eine der „Bildergeschichten“ zu vervollständigen.
Essays über und Texte von Fassbininder versehen das Buch schließlich mit theoretischen, filmhistorischen und persönlichen Aspekten. Eine Lektüre, nach der man am liebsten einen Fassbinder-Marathon starten würde.
