[Rec] von Jaume Balagueró und Paco Plaza ist ein weiteres gelungenes Beispiel aus einer Reihe effizienter spanischer Horrorfilme. Hollywood arbeitet bereits am Remake.
Im Auftrag der TV-Sendung Während Sie schlafen verbringen Reporterin Ángela und ihr Kameramann Pablo eine Nacht in einer Feuerwache. Die Schicht lässt sich langweilig an und geht unaufregend weiter, bis – endlich! – die Alarmglo-
cke schrillt und die beiden einen Einsatz begleiten können: In einem alten Haus muss die Tür zu einer Wohnung aufgebrochen werden, aus der Schreie dringen. Routine, scheinbar, bis die „Gerettete“ sich in den Hals eines Polizisten verbeißt und Leute vom Gesundheitsamt das Haus mit Plastikplanen verhängen, um niemanden mehr heraus zu lassen. Es handle sich um eine Infektion, heißt es. Und, man arbeite an einer Lösung. Im Gegensatz zu den Eingeschlossenen weiß jeder, der auch nur ein wenig mit den Regeln des Genres vertraut ist, sofort, was das bedeutet – und genauso kommt es dann auch.
[Rec] von Jaume Balagueró und Paco Plaza ist ein so außerordentlich effizienter Horrorfilm, weil er seine einfache Geschichte gradlinig und aufrichtig erzählt, ohne Spiegeltricks und ohne doppelten Boden. Nichts an diesem Film ist wirklich neu. Schon gar nicht der Kunstgriff, den Ort der Kamera an den Ort der Handlung zu verlegen, um auf diese Weise das Publikum der klaustrophobischen Erfahrung und emotionalen Hysterie der Protagonisten zu unterwerfen. In The Blair Witch Project wurde dieses narrative Verfahren seinerzeit erfinderisch und mit großem Erfolg eingesetzt, in Cloverfield wirkte es vor kurzem eher lächerlich, George A. Romero nutzte es hingegen gewinnbringend im aktuellen Kapitel seiner Zombie-Saga, Diary of the Dead. Balagueró und Plaza dient es, um den dem Zombie-Film immanenten Voyeurismus, die (Schau-)Lust am Wühlen in den Eingeweiden, durch das Postulat der journalistischen Ethik zu decken: Die Kamera muss draufgehalten werden, Zeugnis muss abgelegt werden – nicht zuletzt, weil man im Fall des Überlebens beabsichtigt, die Behörden zu verklagen.
Wie viele ernstzunehmende Horrorfilme bietet auch dieser die Möglichkeit, die Ereignisse in einem politischen Kontext zu interpretieren. Denn noch vor der konkreten beginnt der im Haus eingeschlossene gesellschaftliche Mikrokosmos mit der abstrakten Selbstzerfleischung; die eine Randgruppe macht die andere für das Verhängnis verantwortlich. Währenddessen gerät in Vergessenheit, dass sie allesamt in Sekundenbruchteilen ihre Bürgerrechte verloren haben und fortan als Kollateralschäden gelten.
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