Vom 20. bis 23. April findet im Stadtkino Wien zum zweiten Mal Red Lotus, Wiens neues Festival für populäre asiatische Kinokunst, statt.
Die 13 abendfüllenden Filmprogramme des Festivals zeigen abermals, dass sich Massentauglichkeit und künstlerischer Wert nicht widersprechen: Aus der VR China und frisch aus dem Berlinale-Wettbewerb kommt der Animationsfilm Art College 1994 (R: Liu Jian), der äußerst formschön in die Chinese Southern Academy of Arts der Neunziger entführt, letztes Jahr in Cannes uraufgeführt wurden der pakistanische Beitrag Joyland (R: Saim Sadiq), in dem sich eine komplizierte Sommerromanze entfaltet, und Leila’s Brothers, Familienepos und Opus Magnum des iranischen Regisseurs Saaed Roustaee. Weitere aktuelle Highlights versprechen u. a. der Justiz-Blockbuster A Guilty Conscience (R: Wai Lun Ng) und die Horrorkomödie Let It Ghost (R: Wong Hoi), beides Produktionen aus Hongkong. Eröffnet wird am 20. April um 18:30 Uhr mit The Sales Girl, eine hoch erfrischende Coming-of-Age-Story des mongolischen Filmemachers Janchivdorj Sengedorj, in der die junge Saaruul zufällig einen Vertretungsjob in einem Sexshop beginnt. In Anwesenheit von Darstellerin Oidovjamts Enkhtuul.
Den Lifetime Achievement Award 2023 bekommt die iranische Schauspielerin Taraneh Alidoosti verliehen, die in dem imposanten Drama Leila’s Brothers grandios die Titelfigur verkörpert. Aufgrund der politischen Situation im Iran kann die international vor allem durch The Salesman von Asghar Farhadi bekannte Darstellerin leider nicht persönlich nach Wien reisen.
Ein besonderer Höhepunkt des Festivals ist die Österreichpremiere der restaurierten Fassung von Insiang, eines der Hauptwerke von Lino Brocka. Als einer der wichtigsten Akteure des philippinischen Kinos spricht Brocka in seinen Arbeiten ungeschönt über die Repressionen des Marco-Regimes und das auch danach noch grassierende Elend von Manilas Slums. Eben dort spielt auch Insiang, der Leidensweg der Titelheldin verläuft entlang zweier, von Niedertracht durchsetzter Familien.
