Kurz auf den Punkt, dann klischiert: Sci-Fi-Familiendrama mit zu viel Action
High-Tech im Regenwald Puerto Ricos: Neurowissenschaftler Will (Keanu Reeves) steht unter Druck, endlich menschliches Bewusstsein mittels „neural mapping“ in einen artifiziellen Körper zu übertragen. Synthetikkörper Nummer 345 massakriert sich jedoch vor den Augen des Teams selbst, nachdem ihm das Gehirn eines gerade verstorbenen US-Militärs transferiert wurde, sodass Will kurzerhand den Stecker zu ziehen gezwungen ist. Eine flotte, griffige Eröffnungssequenz, die die Brutalität von Bewusstseins-Extraktion – in dieser Form mindestens aktuell noch theoretische Spekulation seitens mancher AI-Philosophie – in aller Härte darstellt.
Die mit dieser Forschung einhergehenden ethischen und moralischen Fragen werden sogleich im Schnelldurchlauf mittels Wills Ehefrau Mona angerissen, in einem Gespräch, das jedoch, inszenatorisch durchschaubar, dazu dient, wiederum Wills Überzeugungen zu erzählen. Die Dinge eskalieren rasch, denn der fesche Forscher erkennt sich plötzlich als einziger Überlebender eines Autounfalls und birgt seine Frau und seine drei Kinder aus dem halb versunkenen Fahrzeug – und schon die Musik stellt klar: Diese Tode sollen nicht das Ende bedeuten.
So vorhersehbar und folgerichtig das sodann verfolgte verzweifelte Bestreben, die eigene Familie per Bewusstseinsübertragung in neu geschaffenen perfekten Klonen wieder zum Leben zu erwecken auch ist, so packend ist der Weg dahin: Der Weg des Besessenen, der nicht loslassen kann, das Netz aus Lügen und Grenzüberschreitungen sind so wahnwitzig und zum Scheitern verurteilt, dass die vergleichsweise sachliche Erzählweise und das beinahe nüchterne Spiel von Keanu Reeves angenehm irritiert. Mit ein paar langsameren und stilleren Sequenzen hätte ein wahrhaft verstörendes Gedankenexperiment gelingen können, unglücklicherweise kippt Replicas aber in actiongeladenen, weniger originellen Thrill.
Der Preis, den der Dystopie-erfahrene (Drehbuch zu Emmerichs The Day After Tomorrow, 2008) Jeffrey Nachmanoff in seiner dritten Kino-Regiearbeit dafür zahlt, alles vollständig auserzählen zu wollen, ist hoch: Mit Fortdauer werden die Relationen und das Tun der Charaktere unglaubwürdiger. So furios, wie er beginnt, flacht der Film in die Bedeutungsarmut ab und gibt seine faszinierende Ausgangsfrage schlussendlich zugunsten einfacher Antworten auf.
