Robert Tarantino

| Reinhard Bradatsch |

Vom Leben und Leiden eines Wiener Trash-Filmemachers

Fangen wir mit dem Klischee an: Den kreativen Geist vermutet man bei diesem unscheinbaren Herrn nicht. Bei Was bin ich? hätten ihn Ratefüchse wahrscheinlich mit der Profession „Buchhalter“ assoziiert. Er, das ist der Wiener Regisseur Robert Tarantino (der auch unter dem Zweit-Pseudonym Wolf Morrison auftritt). Den Künstlernamen versteht Wolfgang, wie er im bürgerlichen Leben heißt, als Hommage an seine beiden Hollywood-„Kollegen“ Robert (Rodriguez) und (Quentin) Tarantino, die wie er ein ausgeprägtes Faible für B-Movies hätten. Womit die Gemeinsamkeiten auch schon aufgezählt sind.

Denn der Terminus „No Budget“ erhält bei Wolfgang eine neue Dimension: Als Filmcrew in Personalunion „castet“ der Ed Wood aus der Vorstadt seine Gratis-Schauspieler (so er nicht selbst fünf Rollen übernehmen muss) im Internet oder bei Wrestling-Kämpfen, das Equipment borgt er sich aus. Die Kosten seiner Filme, die vielsagende Titel wie Vampire City und Vampire in Vienna tragen, entsprechen gerade einmal dem Preis der verwendeten Video-Tapes. Dort, wo Ketchup-Blut in Fontänen herumspritzt und Sätze wie „My beer is not stupid“ fallen, haben Diskussionen über Logiklöcher klarerweise keinen Platz: „So schlecht wie möglich spielen“ ist das Motto dieses Underdogs, dessen naive Unbekümmertheit – anders als bei Gleichgesinnten – niemals Deckmantel für plumpe Selbstdarstellung ist.

Houchang Allahyari gibt in seinem Dokumentarfilm Robert Tarantino dem Protagonisten ausreichend Raum, um die Hintergründe seiner Passion zu erhellen – und zeigt damit auch die persönliche Seite eines Mannes, der das Kino als Ventil nutzt, um seine Schüchternheit zu bezwingen. Denn so hinreißend Wolfgang in seinen Filmen den toughen Helden im Trenchcoat gibt, der entführte FBI-Agentinnen befreit, so unbeholfen verhält er sich im realen Leben beim Anbahnen sozialer Kontakte. Beim Dreh zu Blood City Massacre verliebt er sich in Darstellerin Marie, doch die hat nur platonische Freundschaft für ihn übrig.

Man könnte kritisieren, dass sich Allahyari bisweilen zu stark an die Bauanleitung für fernsehtaugliche Doku-Soaps hält; dass auch er nicht ganz umhinkommt, Wolfgang als Zentrum einer entrückten Freakshow, in der Lesbensex und tätowierte Serienkiller zu den Basics gehören, zu diskriminieren. Doch die eigentliche Stärke von Allahyaris Beobachtungen liegt auf einer zweiten, hintergründigen Ebene: Da ist die große Illusionsmaschine Film, dort ist ein introvertierter Mensch, der verzweifelt versucht, seine Einsamkeit inmitten dieser Traumwelt zu kompensieren.