Rocketman

Filmkritik

Rocketman

| Jörg Schiffauer |
Porträt eines schillernden Superstars

Gleich zu Beginn vermeint man, Elton John am Weg zu einem seiner Bühnenauftritte zu begleiten, als er in einem für ihn charakteristisch extravaganten Outfit – knalloranger Overall samt riesigen Engelsflügeln, auf dem Kopf eine Kappe mit aufgenähten Teufelshörnern – einen langen Gang entlangschreitet. Doch in Wahrheit befindet sich der Superstar auf dem Weg zur ersten Gruppensitzung im Rahmen seiner Entzugstherapie, denn er sei, wie er den verblüfften Mitpatienten verkündet, „alkohol-, kokain-, tabletten- und kaufsüchtig“.

Ausgerechnet an diesem Tiefpunkt gegen Ende der achtziger Jahre greift Rocketman – der Titel des Biopics ist zugleich jener eines seiner größten Hits – die Lebensgeschichte Elton Johns auf, die mit seinem Aufstieg zum Pop-Superstar bis dahin scheinbar ein einziger Erfolg war.

Der hatte sich für den 1947 unter dem bürgerlichen Namen Reginald Kenneth Dwight geborenen Briten zunächst nicht wirklich abgezeichnet. Aufgewachsen in einem eher kleinbürgerlichem Milieu, litt er schon als Kind unter der kühlen Distanziertheit, mit dem ihm sein Vater begegnete. Seine musikalische Begabung verhalf ihm zu einem Stipendium an der renommierten Royal Academy of Music, nach deren Absolvierung er bald jenen Mann traf, mit dem er eine höchst produktive Arbeitsbeziehung eingehen sollte. Gemeinsam mit dem für die Texte verantwortlichen Bernie Taupin komponierte Elton John jene Songs, von denen bislang mehr als 300 Millionen Tonträger verkauft wurden.

Mittels Rückblenden verweist Rocketman auf die markanten Stationen auf dem Weg Reginald Dwights vom schüchternen Buben zum exzentrischen Rockstar Elton John. Dexter Fletcher, der bei Bohemian Rhapsody bereits Erfahrung in Sachen Musiker-Bios sammeln konnte, gelingt ein recht stimmiges Porträt zwischen akkuratem Period Piece und jenen in Mamma Mia! bewährten Gesangseinlagen, mit denen Elton Johns Songs in die Handlung integriert werden, um die Verbindung zwischen Leben und Werk deutlich zu machen.

Womit die Generallinie von Rocketman als massentaugliches Biopic skizziert ist. Dem Anspruch wird Fletchers Inszenierung gerecht, doch ihre stärksten Momente hat sie in jenen Sequenzen, die die Schattenseite im Leben des nach außen hin schillernden Popstars zeigen: seine traumatischen Kindheitserlebnisse, die Selbstzweifel, die ihn auch noch am Höhepunkt seiner musikalischen Erfolge plagen, die Angst, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Geschuldet ist dies auch der Leistung Taron Egertons, der es kongenial versteht, all die unterschiedlichen Facetten Elton Johns beeindruckend zu verkörpern.