Sylvester Stallone lässt Rocky zu einem allerletzten Comeback antreten.
Es muss schon Michael Buffer her, jener charismatische Ringsprecher, der es dank seiner flamboyanten Ansagen schafft, selbst Boxkämpfe mit Axel Schulz wie ein episches Drama erscheinen zu lassen, um Rocky Balboas finalen Auftritt im Ring angemessen anzukündigen. Eine Unterstützung, die dramaturgisch nachvollziehbar ist, denn der Kampf zwischen einem mittlerweile etwa 60-jährigen Veteranen und dem halb so alten Weltmeister im Schwergewicht würde nicht nur Boxfans als eine etwas merkwürdig anmutende Veranstaltung erscheinen.
Womit die Schwierigkeit der Aufgabe, die Sylvester Stallone seinem filmischen Alter ego bei dessen sechstem Leinwandauftritt aufbürdet, bereits deutlich umrissen sein dürfte. Als Stallone 1976 zum ersten Mal als Rocky Balboa, der Underdog, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder hoch zu boxen versteht, agieren durfte, verhalf ihm diese Rolle nicht nur praktisch über Nacht zu Weltruhm, die Figur begleitete ihn auch seine gesamte Karriere hindurch. Es mag daher wohl eine Form von dankbarer Reverenz an seine Lieblingsrolle sein, dass Stallone Rocky Balboa über weite Strecken als eine Art von Hommage an den ersten Film der Reihe in Szene setzt. Da findet man den Ex-Weltmeister wieder dort, wo alles begann, nämlich in einem heruntergekommen Viertel seiner Heimatstadt Philadelphia. Und das Leben hat Rocky hart zugesetzt, die geliebte Frau ist gestorben, der Kontakt zum erwachsenen Sohn ist reichlich unterkühlt, vom erkämpften Vermögen blieb nur ein kleines Restaurant, wo Rocky die Gäste jeden Abend mit Box-Anekdoten bei Laune halten muss. Und in diesem Porträt eines einst erfolgreichen Sporthelden, dem nach dem Ende seiner Laufbahn nichts mehr so richtig gelingen will, der sein Scheitern aber mit einer gewissen Würde zu tragen weiß, hat der Film auch seine besten, weil stimmigsten Szenen. Da trifft Stallones Inszenierung sogar streckenweise exakt jenen melancholischen Grundton, der den ersten Rocky-Film so sympathisch machte. Zudem verweist Rocky Balboa durch eine ganze Reihe von Zitaten, Anspielungen und Charakteren fast permanent auf jenen ersten Teil.
Rockys Entschluss zu einem erneuten Comeback konterkariert allerdings recht unsanft die bis dahin aufgebaute sentimental-nostalgische Atmosphäre, als dramatischem Finale mangelt es seinem Auftritt im Boxring zudem, siehe oben, ein wenig an narrativer Glaubwürdigkeit. Da kann nicht einmal Michael Buffer Abhilfe schaffen.
