Filmkritik

Rosas Hochzeit

| Alexandra Seitz |
Familienkomödie, die es sich mit der Emanzipation ihrer Hauptfigur etwas allzu einfach macht

Rosa ist eine von diesen Gutmütigen, die nicht „Nein“ sagen können, deswegen bleibt aller Scheiß immerzu an ihr hängen: Sie versorgt die Kinder ihres Bruders, der in Scheidung lebt; sie beaufsichtigt die Handwerker in der Wohnung ihres Freundes; sie begleitet den alten Vater zum Arzt; sie nimmt die Katze ihrer besten Freundin in Pflege, als die in Urlaub fährt; in ihrem Job in der Kostümabteilung einer Filmproduktion macht sie aus Nichts Alles; und sie gießt die Blumen ihrer überstürzt verreisten Nachbarn. Halt, das tut sie dann nicht mehr. Denn eines Tages bekommt Rosa einen Rappel beziehungsweise hat sie eine Erleuchtung: Sie verlässt den ganzen, nicht nur familiären Ausbeutungszusammenhang in Valencia und fährt nach Benicàssim, jene Stadt, in der sie aufgewachsen ist und in der die Schneiderei ihrer Mutter noch immer im Dornröschenschlaf liegt.

Dort soll nun alles anders werden, findet Rosa, denn immerhin ist sie schon fast 45 Jahre alt. Also will sie sich endlich um sich selbst kümmern, und um diesem guten Vorsatz den gebührenden Ausdruck zu verleihen, beschließt sie, sich kurzerhand selbst zu heiraten. Sind die Versprechen, die bei dieser Gelegenheit gemeinhin jemand anderem gegeben werden, nicht auch bestens zur Eigenanwendung geeignet? Schon die Bibel weiß, dass nur, wer sich selbst liebt und respektiert, dem oder der Nächsten mit Liebe und Respekt begegnen kann. Soweit so einleuchtend. Nur eben nicht so leicht in die Realität zu übersetzen, wenn man mit einer Familie wie der Rosas geschlagen ist.

Angefeuert von unverwüstlich guter Laune und das Happy End fest im Blick bedient Icíar Bollaín in La boda de Rosa die Klischees vom spanischen Temperament und von der Bedeutung der familiären Bindungen. Die Figuren ihres Films bilden einen chaotischen Haufen, in dem alle immerzu zu laut durcheinander reden, keiner dem anderen zuhört, es aber alle mit allen nur gut meinen. Woraus natürlich jede Menge Missverständnisse und Turbulenzen entstehen, die sodann wortreich und gestenstark einer (Auf)Lösung zugetrieben werden müssen – was nicht immer gelingt, jedenfalls nicht auf Anhieb. Da bleibt kein Auge trocken und eh man sich’s versieht sind anderthalb Stunden vergangen.

Was war das? Eine emanzipatorische Wunscherfüllungsträumerei oder ein Heißluftballon aus dem Lande Lug und Trug? Und treibt Romantisierung oder Ignoranz den Turbo dieser Komödie an? War da was?