Filmkritik

Saint Amour

| Alexandra Seitz |
Wenn der Vater mit dem Sohne – oder: grobe Scherze unter sanften Seelen

Ein terribles Trio, das sich da zusammengefunden hat, um die Weinregionen Frankreichs unsicher zu machen: Vater, Sohn und Taxifahrer, unterwegs in unterschiedlichen Missionen, ausgerichtet auf das gleiche Ziel. Ein wenig Glück im Leben wäre halt nicht schlecht, bevorzugt in Form einer Frau. Bekanntlich leichter gesagt als getan. Vor allem im vorliegenden Fall; übergewichtig und alt ist der eine, verantwortungslos versoffen der andere, ein Hallodri der dritte – drei blinde Hähne, die schließlich doch noch ein Korn finden, äh, ein Huhn, das es nicht so genau nimmt, weil selbst auf ähnlicher Suche.

Zuletzt 2012 sorgte das französische Regie- und Drehbuchautorenduo Gustave Kervern und Benoît Delépine mit dem genialen Anarcho-Kracher Le Grand soir für Irritation und Entsetzen. Respektive dessen Protagonisten, die beiden Mittvierziger-Punks Not und Dead, Schrecken der Vorstadt, Propagandisten der Revolution, Boten der Hölle, Missionare des Chaos. In der Rolle Nots, der mit Stolz von sich behauptete, der älteste Punk mit Hund Europas zu sein, gab sich seinerzeit Benoît Poelvoorde die Ehre; in Saint Amour hat er die Rolle des schlimmen Trinkers und missratenen Sohnes Bruno übernommen. Da geht man also sicherheitshalber einmal in Deckung, zumal ihm in der Rolle von Vater Jean Gérard Depardieu zur Seite steht, dessen schauspielerische Finesse direkt proportional zu seiner Wampe wächst. Was vor dem Hintergrund, dass der Mann ja schon immer eine Wucht war, etwas heißen will. Und dann ist da noch Vincent Lacoste als Taxifahrer Mike, der den gedankenlosen Spieltrieb eines jungen Hundes in seine Figur injiziert, die dementsprechend dauerspitz herumläuft.

Ja, das andere Geschlecht, es ist mal wieder an allem schuld. Jean trauert seiner verstorbenen Frau hinterher, Bruno träumt von der großen Liebe, und Mike, nun ja, siehe oben. Und weil der stolze Bauer Jean zudem den desinteressierten Bruno davon überzeugen will, seine Nachfolge anzutreten, unternimmt man(n) eben diese Reise in Mikes Taxi. Um die wichtigsten und besten Weine zu probieren und um einander näherzukommen. Da es sich bei Kervern und Delépine um skrupellose Komödianten handelt, wird diese Rundfahrt kein Spaziergang, sondern eher eine Ochsentour. Hochnotpeinlich und hochkomisch, mitunter völlig aus dem Ruder laufend, frag- und klaglos aber, und noch in ihren erbärmlichsten Momenten, mit den Figuren solidarisch. Und also schließt man sie ins Herz, frau auch.