Salami Aleikum

| Elisabeth Huber |

Tausendundeine Nacht prallen komödiantisch auf den real still gelegten Sozialismus.

Nach der Doku Lost Children, die das erschütternde Schicksal von Kindersoldaten in Uganda thematisiert, präsentiert Regisseur Ali Samadi Ahadi in seinem Spielfilmdebüt unerwarteterweise eine Komödie. Auch Hauptdarsteller Navid Akhavan war bisher für ernste Rollen gebucht (u.a. in Ein Augenblick Freiheit). Aber der Regisseur behauptet ohnehin, er schere sich nicht viel um Genres, es gehe auch in seinem neuen Film um „Heimat, Akzeptanz, Wahrnehmung“. Trotz lässig zur Schau gestellter Ignoranz beherrscht Ahadi die Genregesetze: Die Geschichte vom sensiblen Mohsen, Sohn iranischer Einwanderer, der sich nach jedem Versuch, sich in der Metzgerei seines Vaters nützlich zu machen (sprich Schafe zu schlachten) zitternd in sein Zimmer verkriecht und therapeutisch zu stricken beginnt, vergreift sich nie im Ton. Obwohl es wie in jeder guten Komödie um ernste Dinge geht – um die Probleme von Einwanderern, um ostdeutsche Verlierer, um Träume, die man aufgeben muss, damit Neues entstehen kann und um Ausländerfeindlichkeit – durchziehen Animationssequenzen und sogar Tanzszenen a la Bollywood die Story. Ein Unterfangen, das auch hätte schief gehen können.

Die Geschichte aber hält und unterhält nicht zuletzt dank guter schauspielerischer Leistungen: allen voran Navid Akhavan als sensibler Mohsen, dem man es ohne weiteres abnimmt, sich in die um zwei Köpfe größere Ex-Stemmerin Anna zu verlieben und Michael Niavarani in einer ihm auf den Leib geschneiderten Rolle als cholerischer Exiliraner.

Der Plot ist ein wenig als Roadmovie angelegt: Mohsen begibt sich auf eine Fahrt nach Polen, um dort Schafe abzuholen, die er nicht selbst töten muss. Dort, tief im Osten, allerdings noch von Deutschland, bleibt er in einem Dorf hängen, das den Zeiten nachtrauert, als eine Strickwarenfabrik Ansehen und Wohlstand brachte und verliebt sich in eine Einheimische.

„Mein Mann ist Perser – ein ganz Perverser“, brachte Lisa Fitz schon in den Achtziger Jahren sehr böse die westlichen Vorurteile auf den Punkt. Durch eine mutige Entscheidung gegen allzu viel Political Correctness bekommen in dieser skurrilen Fahrt durch die Kulturen aber auch die Perser ihr Fett ab, die – zumindest anfangs – genauso von Vorurteilen gelenkt sind.

Eine Komödie mit jeder Menge schrägen Details angereichert, bissigem Humor, ohne die Figuren zu desavouieren, köstlichem Wortwitz, Multikulti im besten Sinn – schräges, vielleicht etwas zu zahmes Ende inklusive.